Signor Fritz – so nennen die Italiener scherzhaft einen deutschen Touristen – ist nicht mehr spendabel. Italiens größter Wirtschaftszweig, die Ferienbranche, hat das Nachsehen. Jährlich 75 Milliarden Mark werden in dieser Branche umgesetzt. Ein Drittel davon schleppen dreißig Millionen Ausländer herbei, die allsommerlich die Küsten, Seen, Berge und Kunststätten besuchen.

Italien ist nach den USA der zweitgrößte Markt im Welttourismus, und die Deutschen stellen mit sechs Millionen Reisenden das stärkste Kontingent in diesem Heer. Zwar haben sie noch nicht den Ruf der Holländer, deren Autokennzeichen „NL“ bösen Zungen zufolge schon von weitem niente Lire – keine Lire – verspricht. Aber zum Sparen neigt zunehmend auch Signor Fritz.

Was bleibt unseren Landsleuten auch anders übrig, wo ihr Gehalt nicht wie das der meisten Italiener um zwölf bis vierzehn Prozent im Jahr wächst, sie aber in Restaurants und Hotels genauso von der Inflation im Lande getroffen werden. Denn die Lira hat sich nicht im gleichen Ausmaß verbilligt, wie die italienischen Preise stiegen. Seit zwei Wochen bekommt Signor Fritz zwar wieder vier Prozent mehr in italienischer Währung für seine Mark. Aber dagegen steht eine mehr als 27 Prozent starke Verteuerung in den beiden letzten Jahren.

Ein Liegestuhl und eine Umkleidekabine am Strand in Capri kosten so am Tag 88 Mark. Für den gleichen Service am Lido von Venedig muß der deutsche Tourist 45 bis 110 Mark hinblättern, während er in Rimini für nur 300 Mark eine ganze Saison lang in der Sonne braten kann.

Die Adria, Südtirol und der Gardasee, Gebiete, in denen viele Pensionen noch für sechzig bis achtzig Mark am Tag Kost und Logis bieten, sind die bevorzugten Ziele des Massentourismus aus dem Norden. Doch auch hier kommen die Ausländer – und selbst die Italiener – neuerdings viel häufiger mit Zelt oder Wohnwagen, mieten Wohnungen (üblich sind 1500-1600 Mark im Monat für ein Miniappartement) und verpflegen sich selbst. Hochbetrieb haben auch Italiens Luxushotels. Hier steigen vor allem Amerikaner ab, begünstigt durch den immer noch hohen Dollarkurs.

Dagegen sind die Hotels der Mittelklasse nicht mehr so ausgebucht wie in früheren Jahren, und die Gesamtzahl der Ausländerübernachtungen nahm so 1983 und 1984 leicht ab.

Um die Flaute im Tourismus wieder aufzufangen, hat sich jetzt auch der italienische Staat stärker engagiert: Fünfzehn Millionen Mark mehr an Zuschüssen bekommt in diesem Jahr das staatliche Institut für Fremdenverkehr ENIT. Bisher reichte die Dotierung dieser Einrichtung gerade zum Bezahlen der Gehälter für die 550 Angestellten.