Hersteller in Amerika, Japan und Korea arbeiten eng zusammen

Von Helmut Becker

Vergangene Woche begann die Pokerrunde in Detroit: Der drittgrößte US-Autohersteller Chrysler und die Gewerkschaft United Auto Worker (UAW) eröffneten die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag. Zentraler Punkt dabei ist das Projekt Liberty, der Plan für eine neue Kleinwagen-Produktion Ende der achtziger Jahre.

Um den japanischen Importwagen mit dem Preis Paroli bieten zu können, liebäugelt Chrysler-Boß Lee A. Iacocca damit, das Liberty-Modell in Japan oder Korea bauen zu lassen. Diese Aussicht mißfällt der UAW selbstverständlich, und ihr Chefunterhändler Marc Stepp wäre wohl bereit, bei den Lohnforderungen zurückzustecken, wenn Iacocca sich verpflichtet, mit dem Liberty-Projekt im Lande zu bleiben.

Daß die Liberty-Karte auch tatsächlich sticht und die Gewerkschafter unter Druck setzt, dafür hatte der Chrysler-Chef bereits Monate zuvor in Korea gesorgt. „Das ist ein wichtiger Schritt für Chrysler“, fand er Mitte April in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und prophezeite: „Dadurch bleiben wir weltweit wettbewerbsfähig und sichern unsere Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten.“

Der drittgrößte US-Autokonzern und die Sam-Sung-Gruppe, Südkoreas größtes, aber im Autobau noch nicht vertretenes Industrieimperium, hatten gerade eine gemeinsame Fünfzig-Fünfzig-Gesellscnaft aus der Taufe gehoben, die für Chrysler elektrische Bauteile in Korea produzieren wird. Das angesehene Wall Street Journal spekulierte: „Der Akkord repräsentiert Sam Sungs ersten Schritt auf dem Weg zu einem Autohersteller.“

Das ist mehr als wahrscheinlich. Doch während Sam Sung sich mit dem Bau kompletter Wagen noch bis zur Aufhebung des bestehenden Regierungslimits auf zwei südkoreanische Pkw-Hersteller nach 1987 gedulden muß, sind amerikanische, japanische und südkoreanische Autobauer seit dem Frühjahr überraschend schnell zusammengerückt. In keiner anderen Branche gewinnt das mit viel Vorschußlorbeeren bedachte pazifische Zeitalter einer Kooperation zwischen den Anrainerstaaten des Stillen Ozeans bereits derartig Kontur wie in der Autoindustrie.