Die Saaldiener des Bundestages erscheinen im Frack, manche Abgeordnete in Jeans. Das geht nicht, meint ein MdB.

Hut ab vor Ihrer Courage. Danke, daß Sie uns die Augen geöffnet, endlich das schändliche Komplott enthüllt haben, mit dem unsere freiheitliche Grundordnung zerstört werden soll. Was wäre unser Land ohne Männer wie Sie – den Diplom-Ingenieur Matthias Engelsberger aus Siegsdorf bei Traunsten, den 60jährigen Vater von vier Kindern, der für die CSU im Deutschen Bundestag sitzt.

„Die negativen Veränderungen im äußeren Erscheinungsbild des Deutschen Bundestages“ haben Sie veranlaßt, an den Parlamentspräsidenten, Ihren Parteifreund Philipp Jenninger, „mit der Bitte heranzutreten, den Erlaß einer Kleiderordnung in Erwägung zu ziehen“.

„Mehrfach“ haben sich Bundestagesbesucher bei Ihnen beschwert, wie Abgeordnete „gewisser Gruppierungen“ sich gewanden. „Man kann nicht verstellen, daß die Bediensteten des Bundestages im Frack erscheinen, dessen Mitglieder dagegen in Freizeit- bzw. Demonstrationskleidung auftreten“, haben Sie dem Präsidenten schriftlich gegeben. Und wie scharfsichtig Ihre Analyse dieser Gammelbrüder mit dem MdB hinter dem Namen: „Hier handelt es sich offensichtlich um eine bewußte Verhöhnung unserer parlamentarischen Demokratie.“

Genau. Das sage ich auch immer. Eine riesengroße Sauerei ist es daher ja wohl, wenn der Bundestagspräsident darauf nur antworten kann, „daß die Unabhängigkeit des Abgeordneten ein hohes Gut ist und keiner Reglementierung unterworfen werden sollte“.

Ja, da hört sich doch wohl alles auf! Sieht er denn gar nicht, daß nur in einem anständigen Aufzug auch ein anständiger Mensch wohnt? Aber vielleicht hat der Präsident selbst ja zu Hause in seinem Kleiderschrank Nietenhosen hängen, da müßte man mal hintersehen, Herr Abgeordneter.

„Eine Kleidung, die bei Angestellten eines Kreditinstituts selbstverständlich ist, kann wohl auch von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages erwartet werden“, hatten Sie dem Herrn Präsidenten geschrieben. Ja, das mag bei der Kreissparkasse Traunstein noch der Fall sein – da sitzen Sie ja auch im Verwaltungsrat und achten schon auf das positive äußere Erscheinungsbild des deutschen Bankwesens. Aber ich kenne Banken, da laufen die Angestellten mit Ohrring und gefärbtem Punkhaar herum. Stellen Sie sich das mal vor: Da müssen Ihre Parteikassierer, wenn das so weitergeht, bald diese prallen Briefumschläge von Menschen mit einem Ring in der Nase in Empfang nehmen, wo man nicht mehr weiß, sind das nun Banker oder Punker.