Von Elisabeth Binder

Firischer Wind in der deutschen Hochschullandschaft? Stiftungslehrstühle nach amerikanischen Vorbildern sollen Bewegung in die Universitäten bringen, neue Ideen, neue Anregungen und Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zwanzig dieser Professuren gibt es erst in der Bundesrepublik. Es sind Lehrstühle, die von Stiftungen oder Unternehmen angeregt und für eine begrenzte Zeit finanziert werden. Können Sie ein Ausweg aus der Sparmisere sein, können sie tatsächlich dem wissenschaftlichen Nachwuchs auf die Sprünge helfen oder dazu beitragen, daß Universitäten auf neue Forschungsbedürfnisse flexibler und vor allem schneller reagieren?

Die Meldungen über neue Vorhaben häufen sich: Nixdorf finanziert eine Professur der Sportwissenschaft in Paderborn, die Krupp-Stiftung richtet in Essen ein Lehrstuhl für Energiebetriebswirtschaft ein, und an der TU Berlin beginnt ein von der VW-Stiftung bezuschußter Stiftungsprofessor für Technikgeschichte mit der Arbeit. Im Herbst will der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft folgen.

Den schwungvollen Absichtserklärungen von Spendern und Ländern folgen oft zähflüssige Verhandlungen. So verlockend die Möglichkeiten erscheinen, mit privaten Geldern und Ideen eine Morgendämmerung in der erstarrten Hochschulszene einzuleiten, so schwierig ist für alle Beteiligten der Sprung über den mächtigen Schatten der Bürokratie. Der Wunsch, etwas Neues zu schaffen, kollidiert immmer wieder mit dem kleinkarierten Festhalten an liebgewordenen Vorschriften und dem gewohnten Gang der Dinge.

Am schwersten ist es, sich über die Dauer der Finanzierung einig zu werden. Denn meistens geben die Stifter ihr Geld für eine C 3- oder C 4-Professur (eventuell mit Ausstattung) nur für fünf Jahre. Soll aus der Zeit-Stelle eine Dauer-Professur werden, sind die Länder gefragt: Sie müssen die spätere Umwandlung in eine Beamtenposition garantieren. Die Sache ergibt erst Sinn, wenn sich der Stiftungsprofessor nicht von seinen Kollegen unterscheidet. Doch noch haftet den privat finanzierten Lehrstühlen der Makel einer befristeten Existenz an.

In Festansprachen bei den Einweihungen der Stiftungsprofessur ist die Klage über die allzu kurze Finanzierungsdauer denn auch ein wiederkehrender Refrain. „Für Zwischenlösungen ist im Moment kein Bedarf“, meint Wilhelm Großkurth, Forschungsreferent beim Berliner Senat. „Wenn die Industrie nur mal 500 000 Mark lockermachen will, dann soll sie uns lieber ein Gerät schenken.“ Einige Länder wollen demnächst dazu übergehen, eine Finanzierungsdauer von mindestens zehn Jahren zu fordern.

Zur Finanzierung lebenslanger Positionen sehen sich die Stifter bisher noch nicht in der Lage. Denn anders als in den häufig als Vorbild zitierten Vereinigten Staaten kann in der Bundesrepublik Stiftungsvermögen nicht wieder zur Bildung von Vermögen verwendet werden, können Stiftungslehrstühle also nicht aus den Zinsen eines Grundkapitals finanziert werden, sondern nur einen vorhandenen Betrag aufzehren. Außerdem verstehen sich die Stifter, so Heinz-Rudi Spiegel vom Stifterverband, eher als Anreger und Initiatoren und nicht als Dauerfinanzierer. Darum kommt es immer wieder zu Problemen, wenn es um das Eingemachte geht.