In der Morgenfrühe wollen die Kühe, in den Abendstunden die Bergwanderer versorgt werden

Von Monika Putschögl

Sie ist 21 Jahre alt und Herrin über zwei Hunde, zwei Schweine und elf Kühe. Sie wohnt ohne Dusche und WC in 1778 Meter Höhe. Aloisia Aichhorn ist Sennerin auf der Draugsteinalm. Wir sind auf dem Weg zu ihr.

Die Mittagshitze brütet über Hüttschlag, dem 900-Einwohner-Ort ganz hinten am Ende des Großarltals im Salzburger Land, dort „wo es vor lauter Bergen nicht mehr weiter geht“, dort wo die Urlaub machen, die wirklich in einem ruhigen gemütlichen Gebirgsdorf sein wollen. Die geteerte Straße endet. „Zur Draugsteinalm 1 3/4 Stunden“ steht auf dem Schild. Steil steigt der Weg an. Die Hitze drückt, der Rucksack auch. „Die beiden Hütten da oben“, sagt Hans Toferer, der Geschäftsführer vom Verkehrsverein, „da müssen wir hinauf.“ Die beiden Hütten da oben. Gleich unter dem Himmel scheinen sie zu stehen. Am liebsten würde ich umkehren und stapfe dennoch verbissen weiter, mache Rast an jeder Quelle und schlürfe das Wasser mit einer Begeisterung, als sei’s Champagner.

Wie schaffen eigentlich die Rindviecher den Weg auf die Alm? Kühe sind erstaunlich gute Kraxler. Das merke ich ein paar Stunden später. Loisi, Steiger und ich holen das Vieh. Steiger ist der Hütehund, ein Mischling aus mindestens drei Rassen. Nur ein paar hundert Meter von der Almhütte weg sehen wir die Kühe auf einer Bergweide friedlich grasen. Loisi fängt an zu brüllen, Steiger auf Kommando an zu bellen – die Kühe reagieren. „Husch“ und „zuwei“, schreit die Loisi, und die Kühe – Gott sei Dank, alle elf sind beisammen – bequemen sich, in Richtung Stall zu trotten. Es ist ein kleines Vermögen, was da behende den Hang hinuntersteigt. 15 000 bis 20 000 Schilling (etwa 2000 bis 3000 Mark) ist eine gute Milchkuh wert, 40 000 sogar eine prämierte. Nach einer halben Stunde haben wir sie alle im Stall. Brav hat sich jede an ihren Platz gestellt. Loisi holt die Melkmaschine und wirft den Generator an. „Mei“, stöhnt sie, „das waren noch Zeiten, wie ich sie alle mit der Hand gemolken hab. Ganz verkrampft waren die Hände, und die Arme haben vielleicht weh getan.“ Sie schüttelt sich bei der Erinnerung daran. Seit drei Jahren kann die Loisi elektrisch melken. Aber einmal hat der Blitz justament in den Stromspender eingeschlagen, und da mußte sie für ein paar Tage wieder mit der Hand melken. 60 bis 70 Liter jeden Tag.

Eine Stunde ist die Loisi jetzt schon im Stall. Sie schwappt die Molke, ein Nebenprodukt bei der Käserei, in den großen Trog draußen vor dem Kuhstall. Die Schweine tapsen hungrig grunzend an. Dann wird der Stall ausgemistet. Inzwischen dringt schon wieder das Surren des Generators durch die Hütte. Jetzt treibt er die Milchzentrifuge an, die die noch kuhwarme Milch in Rahm und Magermilch trennt.

Zum späten Nachmittagskaffee versammeln wir uns um den großen Tisch in der Stube. Loisi hat Besuch. Erika, ihre jüngere Schwester, und Ruperta, eine Cousine, verbringen ein paar Tage ihrer Sommerferien auf der Alm, helfen ein bißchen mit, bedienen, wenn die Wanderer zur Rast kommen. Die Draugsteinalm ist eine beliebte Jausenstation.