Zum internationalen Kongreß in Göttingen

Von Peter Wapnewski

I.

katurforschung und klassische Philologie haben es eine Reihe von Jahren her empfunden, wie großer Gewinn aus Zusammenkünften, wo Bekanntschaften gemacht, Gedanken gesammelt werden, zu ziehen ist. (Aus der Einladung zum ersten Kongreß der Germanisten, 1846 in Frankfurt/M., unterzeichnet u. a. von Ernst Moritz Arndt, Gervinus, Jacob und Wilhelm Grimm, Haupt, Lachmann, Ranke, Uhland.)

Um das Sachliche vorauszuschicken: Es gibt, gegründet nach dem Kriege, einen Internationalen Germanistenverband (IVG). Er tagte zum ersten Male 1955, und zwar in Rom. Darauf jeweils im Fünf-Jahres-Abstand in Kopenhagen, Amsterdam, Princeton, Cambridge, Basel. Nicht also in Deutschland, das doch das Ursprungsland dieser wissenschaftlichen Disziplin ist, und – im weitesten Sinne – ihr Gegenstand dazu. Solches Zögern hat seine Gründe, die Germanistik ist ein deutscher Fall, sie hat sich nicht eben als Widerstandszelle bewährt zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, hat sich vielmehr in nicht wenigen ihrer prominentesten Vertreter angebiedert oder auch zum lauten und vorlauten Fürsprecher der herrschenden Ideologie gemacht, sie auf fatale Weise veräußerlicht und verinnerlicht. Denn sie ist, methodisch und ideologisch, eine anfällige Wissenschaft.

Seit fünf Jahren steht, in Basel gewählt, diesem Verband ein deutscher Präsident vor: Albrecht Schöne. Und da seine Universität Göttingen ist, war damit auch der Ort des nächsten Kongresses gegeben. Er findet statt vom 25. bis 31. August dieses Jahres.

II.