Geldgeber legen das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung an die Leine

Hans-Karl Schneider, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln und in einem seiner „Nebenberufe“ Verwaltungsrats-Vorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen kann sich allmählich auf die Suche nach einem Professorenkollegen machen. Denn den wollen die „Zuwendungsgeber“ – der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen – dem RWI als Präsident verordnen. Derzeit wird das Institut von einem Dreierkollegium geleitet.

Damit geht ein alter Wunsch des Wissenschaftsrates in Erfüllung. Dieses Gremium hatte 1982 im Auftrag der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung die öffentlich geförderten Wirtschartsforschungsinstitute unter die Lupe genommen. Dabei bekam das RWI schlechte Zensuren. Der Wissenschaftsrat bekrittelte nicht nur die wissenschaftliche Leistung der Essener, er fand auch bei der Organisation ein Haar in der Suppe: „Das RWI hat im Vergleich mit den anderen vier wirtschaftswissenschaftlichen Instituten eine überschaubare Größe; es wird aber als einziges von einem Kollegium geleitet, das aus drei gleichberechtigten Direktoren besteht. Der Wissenschaftsrat hat den Eindruck, daß sich diese Form der kollegialen Leitung hier nicht bewährt hat.“

Das Institut setzte sich natürlich zur Wehr und warf dem Wissenschaftsrat vor, seine Forderung nach einer Neuorganisation der Institutsleitung nicht begründet zu haben. Es bleibe vor allem offen, ob das Gremium „die Qualifikation der derzeitigen Leitung oder die Leitungsform bemängelt“. Die Essener hatten aber wohl nicht zwischen den Zeilen lesen wollen, denn da stand deutlich, was der vorwiegend aus Professoren bestehende Wissenschaftsrat unter Qualifikation versteht. So heißt es im allgemeinen Teil des Berichts: „Die für die Institutsleitung erforderliche wissenschaftliche Qualifikation läßt sich in aller Regel bei Hochschullehrern finden, die in der empirischen Wirtschaftsforschung ausgewiesen sind.“ Einen solchen Professor sucht man beim RWI vergebens.

Dann geht es zum gezielten Angriff: „Unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts befinden sich im Vergleich zu den anderen wirtschaftswissenschaftlichen Instituten auffallend wenige, die promoviert sind. Dies dürfte seinen Grund wesentlich darin haben, daß die Leitung des Instituts keinen Unterschied in der Qualität von promovierten oder nicht promovierten wissenschaftlichen Mitarbeitern sieht.“ Dieser Wink mit dem Zaunpfahl zielte deutlich auf einen der beiden wissenschaftlichen Direktoren des RWI: Bernhard Filusch ist „nur“ Diplomvolkswirt.

Damals schlug sich für das RWI ein Mann in die Bresche, der dem Institut heute nicht mehr ganz so wohlgesonnen ist: Otto Schlecht, Dauerstaatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, ließ den Vorsitzenden des Wissenschaftsrates wissen: „Die insgesamt doch sehr negative Beurteilung des RWI wird nach meiner Auffassung den Leistungen des Instituts namentlich im Bereich der Konjunktur- und Strukturbeobachtung nicht gerecht. Ich vermag keinen Unterschied zu den Leistungen der vier anderen Institute zu erkennen.“

Damit war der Platz des RWI auf der „blauen Liste“ der von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Institute zunächst gesichert. Das seit 1943 selbständige Institut – es war 1926 als „Abteilung Westen“ des damaligen Instituts für Konjunkturforschung in Berlin gegründet worden – erhielt weiterhin Zuschüsse aus Düsseldorf und Bonn, für das laufende Jahr je rund zwei Millionen Mark. Lediglich die Leitungsstruktur versprach man zu ändern, allerdings erst nach dem Ausscheiden der derzeitigen Direktoriumsmitglieder. Der älteste von ihnen, der „geschäftsführende Direktor“ Gregor Winkelmeyer, geht 1987 in Pension – zumindest bis dahin hätte alles beim alten bleiben sollen.