Knallrot ist die Bahnsteigkarte aus Posen. Die Schlafwagenkarte von München nach Verona kostete Ende des letzten Jahrhunderts neun Mark in der zweiten Klasse, die Schülerzeitkarte für 50 Fahrten in der III. Klasse zwischen Ensisheim und Mühlhausen 7,20 Mark im Jahre 1912.

Sie sind bunt, sie sind klein, sie sind aus Pappe oder Papier, und sie sind zu Hunderten noch bis zum 5. Oktober im Deutschen Museum in München zu sehen. „Die Fahrkarte“ heißt eine Sonderausstellung rund um die Scheine und Kartonstückchen, die „Symbol der Überwindung von Raum und Grenzen“ sind – so der Untertitel der Schau.

Schon vor der Geschichte der Eisenbahn beginnt die Geschichte des Fahrscheins – und zwar mit Postkutschenfahrt-Billetts. So ist ein „Vormerkschein für die Fahrt mit der Eilpost“ ausgestellt oder ein „Eil-Wagen Reise-Schein Königl. Württemberg. Expedition fahrender Posten“. Erstaunliche äußerliche Ähnlichkeit mit den Fahrkarten der jüngsten Vergangenheit haben die der bayerischen Ludwigs-Eisenbahn. Für 15 Pfennig konnte man im Juli 1888 von Muggenhof nach Nürnberg fahren.

Die Ausstellung führt vor Augen, welche Vielfalt von Bahnlinien es früher einmal gab. Aber nicht nur Fahrkarten werden gezeigt. Sogar ein kleiner Bahnhofsraum ist im zweiten Stock des Deutschen Museums aufgebaut: mit Wartebank und Ausflugsplakaten, mit gußeisernem Ofen und einer Bahnsteigsperre. Auch die berühmten Lochzangen, mit denen die Fahrkarten geknipst wurden, sind ausgestellt, dazu Fahrkartenschneidemaschinen und Fahrkartenschalterdrucker. Letztere waren die Maschinen, die im Vorcomputerzeitalter die bedruckten Karten ausspuckten.,

Wer gern ein bißchen an Automaten spielt, kann sich – bei einem kostenlos, beim anderen zum Preis von zehn Pfennig – seinen Fahrschein ziehen oder sich an einem neuen Fahrkartencomputer sein Billett per Knopfdruck wählen: hin und zurück oder einfach, l. oder 2. Klasse. Bezahlt würde in der Praxis mit Scheckkarte. Aber was dann aus dem Computer rauskommt, ist doch nur wieder ein kleines Stück festes Papier, so wie man es nicht viel anders schon vor hundert Jahren gehabt hat.

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Bis zum 5. Oktober ist die Sonderausstellung im Deutschen Museum täglich von neun bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ins Museum kostet fünf Mark, der Katalog zur Fahrkartenschau 24 Mark.