Die mit großen Hoffnungen erwartete und dann alle Welt tief enttäuschende Rede von Ministerpräsident Botha hat zur Gewißheit werden lassen, was bisher nicht zu beweisen war. Erstens, daß die Regierung in Pretoria keinerlei Konzept hat. Wie sonst wäre zu erklären, daß Botha fünf Tage zuvor seinen Außenminister Hals über Kopf nach Wien schickte, um dort hohen amerikanischen Beamten, die extra aus Washington herbeieilen mußten, Illusionen über bevorstehende tiefgreifende Reformen zu vermitteln; sie hatten die Euphorie so angeheizt, daß Time Magazine prophezeite, Bothas Erklärung werde die wichtigste sein seit der Ankunft der Holländer am Kap vor 300 Jahren.

Zweitens hat sich damit nun sehr deutlich gezeigt, daß die Androhung von Sanktionen keinen Eindruck auf die Regierung in Pretoria macht. Es gibt zwei Lager: die einen, die dies vorausgesagt haben, die anderen, die das Gegenteil behaupten. Kompetent genug, da ein Urteil zu sprechen, ist nur die Abgeordnete Helen Suzman, die sieben Jahre lang als einzige im südafrikanischen Parlament Opposition gegen die Regierungspartei gemacht hat. Sie schrieb soeben im Observer, man dürfe die Industrie, die bisher als einzige einen gewissen Wandel bewirkt hat – den beruflichen Aufstieg der Schwarzen, das Entstehen ihrer Gewerkschaften, ihre Rolle als Konsumenten – nicht schwächen. Wir müssen eben unseren Zorn auf andere Weise kundtun. Dff.