Renditerechnungen führen in die Irre

Unmittelbar nach der Diskontsenkung hat der Bund die Zinsen für seine Finanzierungsschätze und Bundesobligationen weiter zurückgenommen. Alles deutet darauf hin, daß die nächste öffentliche Anleihe nur noch mit einem Nominalzinssatz von 6,5 Prozent ausgestattet werden wird.

Kein Wunder, wenn sich die Sparer nach höherverzinslichen Alternativen umsehen. Besonders schwierig sind die Anlageprobleme für ältere Leute, die in diesen Wochen ihre Lebensversicherung ausgezahlt bekommen oder aus Haus- und Betriebsverkäufen über höhere Barmittel verfügen. Sie müssen sich beim Erwerb von festverzinslichen Papieren nicht nur mit einer niedrigen Rendite abfinden, sondern obendrein darauf gefaßt sein, Kursverluste zu erleiden, sobald die Zinsen wieder steigen.

Die Lebensversicherungen versuchen die an ihre Kunden ausgezahlten Summen zurückzugewinnen, indem sie ihnen die Anlage in Rentenfonds empfehlen. Natürlich vorrangig in solchen, an denen sie auch beteiligt sind. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn nicht gleichzeitig der Eindruck erweckt wird, es handele sich dabei um eine sehr günstige Anlage.

Unzulässiger Vergleich

Das geschieht nicht selten durch den Hinweis auf die letzte Ausschüttung des Fonds, die dann in Beziehung zum aktuellen Ausgabepreis je Anteil gesetzt wird, wie ich dies, meine verehrten Leser, in der Tabelle „Ausschüttungsrenditen großer deutscher Rentenfonds“ auch getan habe. Sie werden finden, daß in den meisten Fällen die sogenannten Renditen über denen liegen, die zur Zeit inländische festverzinsliche Papiere bringen.

Nur ist dieser Vergleich unzulässig. Denn die Ausschüttungsrendite sagt nichts darüber aus, was der Fonds über den reinen Zinsertrag hinaus verdient hat. Der Fonds muß die von ihm vereinnahmten Zinsen an seine Anteilsinhaber ausschütten. Darüber hinaus kann er ihnen aber auch noch realisierte Kursgewinne zukommen lassen. Deshalb sind Renditerechnungen bei Rentenfonds von vornherein problematisch.