Es ist Anlaß, zornig zu sein. Um vor Abtreibungen zu warnen, verstieg sich der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, aus aktuellem Anlaß zu einem Vergleich: Die Atompilze von Hiroshima und Nagasaki seien nicht schrecklicher als die Abtreibungspraxis der Bundesrepublik. Wer vergleicht, muß nicht nur Glück, er muß auch Geschmack haben. Daran zumindest hat es ihm gefehlt.

Drastischer, infamer noch war vor genau fünf Jahren die Gleichsetzung des CDU-Mannes Hartwig Holzgartner zwischen Abtreibung und Auschwitz. Damals hatte ihm der Kölner Erzbischof, Kardinal Höffner, beigestanden; Auch diesmal handele es sich wieder um „Mord in Massen“.

Einer, zumal ein katholischer Würdenträger, kann mit guten Gründen selbst wider den gesetzlich erlaubten Schwangerschaftsabbruch argumentieren. Aber auch mit Worten ohne Würde, Worten ohne das geringste Maß an Takt, Humanität?

Auschwitz als Knüppel, um Andersdenkenden noch einmal Angst zu machen, Schrecken einzujagen – das ist nicht nur dummdreiste Geschichtsklitterung. Es ist üble Geschichtsverfälschung. Hiroshima und Nagasaki ebenso zu benutzen, ist nicht minder verwerflich. Gerade Männer der Kirche müssen sich hüten, so mißraten, so miserabel zu reden. D. St.