Schillernd

„Die Prinzen“ von Tony Gatlif ist das tragikomische Porträt einer französischen Zigeunerfamilie im Konflikt zwischen traditionellen Stammesbräuchen und modernem Großstadtleben. Als Gelegenheitsdieb bringt der streitbare Nara notdürftig Großmutter und Tochter durch, mit denen er eine schäbige kleine Wohnung in einem dieser abbruchreifen Sozialbunker der Vorstädte teilt. Seine Frau hat er verstoßen, weil sie Sich von der Sozialfürsorgerin zum heimlichen Einnehmen der Pille überreden ließ. Während die Tochter nichts vom Nomadenleben hält und vom regelmäßigen Schulbesuch träumt, besinnt sich die agile Großmutter auf ihre Wurzeln und zieht nach alter Tradition wieder übers Land, als man die Familie unter Polizeieinsatz aus ihrer Wohnung wirft. Tony Gatlif, der selbst Zigeuner ist, inszeniert dies nicht als realistische Sozialstudie, sondern als Groteske voller absurder Typen und Situationen, die gegen Schluß des Films immer tragischer werden. Zuweilen wirken die dunklen intensiven Bilder allzu malerisch, wenn die buntgekleideten Zigeuner durch den regennassen Großstadtmüll streunen oder am offenen Feuer den traurigen Geigenklängen lauschen. Aber letztlich ertappt Gatlif uns da wohl nur bei unseren eigenen Vorurteilen. Krischan Koch

Schlimm

„Alpha City“ von Eckart Schmidt. Eingangs, unter den Titeln, lutscht ein bepustelter Muskelmann an der blasierten Discomieze Raphaela. Anschließend geht sie, obwohl es ihr Appartement ist. Er, Frank – verrät uns der Dialog –, ist nun in sie verliebt (warum nur?) und verfolgt die Verruchte, die schnurstracks in die nächste Disco rennt. „Sie ist der fetteste Fang in der Stadt“, raunt der Barmann Frank. Derweil verfällt sie dem nächsten, einem blassen Popper („Gehen wir irgendwo hin?“ – „Immer unter Druck, he“). Frank geht arbeiten in einem Spielclub, dort sitzt er allabends am Klavier und klimpert dasselbe Stück. „Fünf Stunden zu spät, sie wird dich ruinieren“, meint der Clubchef noch, da ballert ein finsterer Amerikaner (Denver-Steven Al Corley) auf die Spieltische und hinterläßt ein imponierendes Gemisch aus Blut, Fleisch und Scherben. „Alles verändern, daß alles bleibt; wie es ist“, zitiert der Wildgewordene den Tangredi aus Lampedusas „Leoparden“ (Visconti hat ihn verfilmt). Für Eckart Schmidt ist diese Revolutionslosung, aus dem letzten Jahrhundert ein Mafia-Spruch, den er in Sizilien an einer Hauswand entdeckt hat. Genauso im Film: eine Häufung trivialisierter Zitate, von denen Schmidt wahrscheinlich nicht einmal weiß, woher sie stammen. Ob diese konzeptionslos zusammengestoppelten Episoden aus Sex, Gewalt und heißen Schlitten genügen, um das Publikum in die Kinos zu locken? Vielleicht ja doch nicht. Zum Schluß explodiert noch ein Jaguar und verstreut in der Luft, was der Film selber ist: Blech.

Ulrich Müller-Schöll

Hervorragend

„Reise nach Indien“ von David Lean. „Vollmondnächte“ von Eric Rohmer. „Der einzige Zeuge“ von Peter Weir.