Von Gunhild Lütge

Ungewißheit begleitete schon Christoph Kolumbus, als er den neuen Weg nach Indien finden wollte und Amerika entdeckte. Warum sollte der Weg in die Informationsgesellschaft ausgeschildert sein? Immerhin: Vage Hinweise gibt es schon. Meistens auf der „bunten“ Seite mit Kuriositäten „aus aller Welt“ vermischt, vermelden Zeitungen längst, was die Zukunft bringen kann: „Roboter als Krankenschwester“, „stählerne Automaten als Gefängniswärter“ oder „Todesurteile vom Expertensystem“.

Auch die Entwicklung des Telephons setzt der Phantasie kaum noch Grenzen: Der simple Apparat wird zum Sprachcomputer, der Kassettenrekorder zum Speichermedium, das Wohnzimmer zur Datenstation, von der aus die Geburtstagsgrüße nur noch auf elektronischem Weg auf Omas Vierfarb-Monitor landen. Sollte letztlich ein großer Teil der Bundesbürger sogar ihre Arbeit zu Hause am Terminal verrichten, Bankgeschäfte per Tastendruck erledigen, selbst den Einkaufsbummel vorzugsweise auf elektronischem Wege machen, so sind soziale und rechtliche Folgewirkungen derzeit noch unüberschaubar.

An Mahnungen und Visionen mangelt es nicht. Als Prototyp der Entrechteten des 21. Jahrhunderts wird immer wieder die Heimarbeiterin angeführt, die zwischen Bügelbrett und Kochtopf ihre Arbeit am Bildschirm zu erledigen versucht, das genau kontrollierbare Pensum nicht schafft und eines Morgens während des Frühstücks beim Blick in den elektronischen Briefkasten ihre Kündigung findet: „Ab sofort lassen wir über Satellit auf den Philippinen schreiben.“

Die derzeit geplante informationstechnische Infrastruktur (siehe Kasten) könnte das nämlich rentabel machen. Schon die von der Bundespost bereits gestartete Umstellung des Fernsprechnetzes auf digitale Technik wird die Leistung der herkömmlichen kupfernen Telephonkabel verdoppeln. Die Zerlegung von Sprache in Nullen und Einsen (Digitalisierung) für den Transport ist nicht nur wirtschaftlicher, sie erhöht auch die Übermittlungsqualität und die Störsicherheit. Doch nicht nur das. Die auf diese Weise codierten Informationen lassen sich auch speichern und weiterverarbeiten.

Genau an diesem Punkt haken die Gegner des gigantischen Ausbauprogramms der Bundespost ein, deren Investitionen auf rund 500 Milliarden Mark bis zum Jahr 2030 geschätzt werden. Postminister Christian Schwarz-Schilling ist zwischen die Fronten geraten. Der als Medien-Freund bekannte Behörden-Chef muß sich einerseits den Vorwurf gefallen lassen, sein Programm in diesem Bereich nicht schnell genug durchzuziehen. Andererseits werden zunehmend Stimmen laut, die vor dem weiteren Ausbau fordern, auch soziale Innovationen in Gang zu setzen, um die gesellschaftliche Beherrschbarkeit der geplanten Technik abzusichern.

Als viel zu langsam empfindet zum Beispiel Franz Arnold das Tempo, mit dem die Post die technische Aufrüstung betreibt. Arnold, der lange Zeit als Verantwortlicher bei der Behörde die Drähte zog und heute als Mitarbeiter des führenden Software- und Beratungsunternehmens Scientific Control Systems immer wieder mit neuen