Kann Komfort tödlich sein? Experten, die den Flugzeug-Absturz in Japan untersuchen, halten dies jedenfalls für möglich.

Als denkbare Ursache für den Absturz des Jumbo-Jets der Japan Air Lines (JAL) am 12. August, bei dem 520 Menschen ihr Leben verloren, nehmen Fachleute jetzt an, eine Druckwand zwischen der Passagierkabine und dem Heckteil könnte geborsten sein. Der Grund hierfür kann in Materialermüdung liegen, so wie bei einem Flugunglück 1979, als ein kanadisches Flugzeug vom Typ DC-9 schwer beschädigt wurde und notlanden mußte.

Bricht die Druckwand, so strömt der Überdruck aus der Passagierkabine in das Heckteil und in das Seitenleitwerk, das dadurch beschädigt werden kann. Dies wäre eine Erklärung dafür, daß Teile des Seitenleitwerks im Meer geborgen wurden, über hundert Kilometer von der Absturzstelle entfernt.

Über die Ursache für einen Bruch der Druckwand gibt es bisher zwei Theorien:

  • Boeing-Ingenieure meinen, daß der Kabinen-Luftdruck zu hoch eingestellt worden sei; damit sollte der Komfort für die Passagiere verbessert werden. Durch ständigen Überdruck könne eine Materialermüdung eintreten.
  • Nach einem früheren leichten Unfall desselben Flugzeugs wurde die untere Hälfte der Druckwand erneuert. Als Folge des Unfalls und der Reparatur könnte im Laufe der Zeit ein feiner Riß in der Druckwand entstanden sein.

Ein Bruch der Druckwand – dem entsprächen auch die Aussagen einer Stewardeß, die sich unter den vier Überlebenden befindet. Sie berichtete von einem Knall, einem Riß in der Decke der Kabine und weißem Nebel, wie er bei Druckabfall in der Kabine auftritt.

Die Druckwand wird bei JAL nach jeweils dreitausend Flugstunden überprüft. Die letzte Inspektion des verunglückten Flugzeugs war im Dezember vergangenen Janres. Das Flugzeug war eine Kurzstreckenversion des Boeing-Jumbos, wie sie nur in Japan eingesetzt wird. Es faßt mehr Passagiere und wird durch häufigere Starts und Landungen stärker beansprucht als die normalen Langstrecken-Jumbos.