Eine neue Spendenaffäre? Versicherungskonzerne und Verbände der Versicherungswirtschaft haben Millionenbeträge für Spenden an über hundert Abgeordnete von Union, SPD und FDP ausgegeben. Gegen die Spender ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Einer der Empfänger ist Wolfgang Roth, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bonner SPD-Fraktion.

ZEIT: Wieviel Geld haben Sie eigentlich von der Versicherungslobby bekommen?

Roth: 1983 auf ein Wahlkampfkonto für meinen Wahlkreis 10 000 Mark.

ZEIT: Damals lief ja schon die Flick-Affäre. Hatten Sie ein gutes Gefühl, als Sie die Spende annahmen?

Roth: Zuerst einmal wurde mir gesagt, das Geld ist versteuert. Zweitens: Ich habe persönlich mit der Versicherungswirtschaft gar nicht geredet. Für mich war das praktisch eine Unterstützungsaktion von Alex Möller (SPD-Bundesfinanzminister von 1969 bis 1971 und Versicherungsmanager; DZ), dem ich mich verbunden fühle. Seither habe ich mit dem Versicherungsverband keinen Kontakt gehabt. Eine Einflußnahme habe ich damals nicht gesehen, außer den ständigen Gesprächen mit Herrn Möller, an denen mir viel lag.

ZEIT: In einem internen Papier der Versicherungswirtschaft steht, von den Empfängern der Wahlkampfspenden würde erwartet, daß sie bereit seien, „im Zuge der parlamentarischen Beratung anstehender Wirtschafts- und finanzpolitischer Gesetzgebungsvorhaben unseren Sachvortrag anzuhören und zu würdigen, gegebenenfalls uns zu beraten“. Ist so etwas je passiert?

Roth: Nach meiner Erfahrung nicht, aber ich schließe nicht aus, daß Kontakt bei anderen stattgefunden haben kann.