Helmut Kohl, der Bundeskanzler, ließ es damit bewenden anzumerken, daß man jetzt einmal ohne Tabus die Zahlen der Arbeitslosenstatistik diskutieren müsse. Er bestimmte damit, wie es seine Aufgabe ist, die Richtlinie der Politik. Wolfgang Held, stellvertretender Generalsekretär der CSU, bemühte sich nun um die Ausführung. Er teilte also die Arbeitslosen ein, in Arbeitswillige und Arbeitsunwillige, in Alleinverdiener und Frauen, die nur ein Zubrot wollen, und was sich sonst noch an Kategorien denken läßt.

Und so ginge es dann wohl auf dem Arbeitsamt zu. Erstens: Erfassung der Personaldaten. Zweitens: Ausfüllen des Fragebogens mit multiple-choice-Antworten: Sind Sie a) arbeitsscheu, b) Zubrot-Hausfrau, c) abgebrochener Student?). Drittens: Lügendedektor und psychologisches Kreuzverhör. Viertens: Berechnung der gnadenweise zu gewährenden Unterstützung und Ablage der Daten im Computer zur Wiedervorlage. Und – simsalabim – von den 2,2 Millionen Arbeitslosen würde wohl nur noch eine Handvoll übrigbleiben, die mit den Vermittlern im Arbeitsamt ein Kaffeekränzchen bilden könnten – würden nicht gerade sie dringend von den Unternehmen gebraucht.

Doch da gibt es in Bonn einen Minister, der vermutet, daß der Kanzler wohl falsch verstanden worden ist. „Wir wollen die Arbeitslosigkeit und nicht die Statistik bekämpfen“, sagte Norbert Blüm. Was kann man dem als Pointe noch hinzufügen? hm