Halbwegs erstaunt las die Fernmeldeindustrie jetzt im Branchenblatt Computerwoche, daß es einem Konkurrenten aus ihren Reihen wieder einmal gelungen ist, das Budget des Forschungsministers anzuzapfen. Heinz Riesenhuber unterstützt die Nixdorf AG mit rund acht Millionen Mark bei der Entwicklung einer Telephonanlage für die interne Kommunikation, einer sogenannten Nebenstellenanlage. Das Neue daran wird sein, daß Benutzer künftig nicht nur telephonieren, sondern auch Sprache, Text und Bilder über eine Leitung und ein Endgerät gleichermaßen schicken können – als ISDN-fähig bezeichnen Fachleute das. Später soll auch der Anschluß an das öffentliche Fernsprechnetz möglich werden.

Ein an sich völlig normaler Vorgang – würde das förderungswürdige Unternehmen Nixdorf nicht in derselben Ausgabe des Blattes ein paar Seiten weiter in großen Lettern annoncieren: „ISDN (in Sachen Digitalisierung Nixdorf)“. Es preist dort sein System „mit dem Anschluß an künftige ISDN-Möglichkeiten.“ Wie das? Zwei Erklärungen bieten sich an: Entweder zahlt Bonn für ein Produkt, das es schon längst gibt, oder Nixdorf wirbt mit einer Leistung, die noch nicht erbracht ist. Im ersten Fall dürfte der Minister Riesenhuber den Steuerzahlern eine Antwort schuldig sein, im zweiten Fall Computerpionier Heinz Nixdorf seinen Kunden.

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Schmiergeldaffären und Kritik an hohen Gewinnen, Kostendämpfungsversuche des Bonner Arbeitsministers und Ärger mit Tierschützern – die pharmazeutische Industrie ist derzeit ohne Zweifel die meistgeschmähte Branche der Bundesrepublik. Neuen Trouble haben ihr jüngst die sozialdemokratisch regierten Bundesländer mit einer Novelle zum Arzneimittelgesetz beschert, die allerlei der Industrie lästige Regulierungen vorschlägt.

Zum Trost machen es die Sozialdemokraten der Branche des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie und seines Hauptgeschäftsführers Hans-Rüdiger Vogel freilich leicht, den Kern des Gesetzentwurfs als ziemlichen Unfug zu entlarven – und das mit einem Argument, das sonst eigentlich die Pharmakritiker gern gebrauchen. Um das vermeintliche Überangebot an Medikamenten in der Bundesrepublik zu drosseln, wollen die Sozialdemokraten neuen Arzneien nämlich die Zulassung versagen, sofern sie nicht nachweislich einen Fortschritt in der Behandlung von Krankheiten bewirken.

Eine solche Regel wäre der Garaus für den gerade erst zaghaft aufkeimenden Wettbewerb am Pharmamarkt – der am ehesten sinkende Preise und womöglich dank unzureichender Erlöse eine Verringerung des Angebots auslösen könnte. Wann immer nämlich die Patente für umsatzstarke und profitable Medikamente auslaufen, kommen Nachahmerprodukte auf den Markt, die zwar keinen therapeutischen Fortschritt bringen, wohl aber meist viel billiger sind als die kopierten Produkte – manchmal bis zur Hälfte.

Mit diesem Druck auf Pharmaprofite und Krankenkassenkosten wäre es vorbei, wenn marktbeherrschende Präparate nach sozialdemokratischem Modell geschützt würden.