Die Mehrzahl der Börsianer ist immer noch guten Mutes. Sie gehen davon aus, daß am Ende der nun schon seit Wochen anhaltenden Konsolidierungsphase am Aktienmarkt ein neuer Kursaufschwung stehen wird. Die nach wie vor günstigen „fundamentalen“ Daten, als da sind sinkende Zinsen, steigende Unternehmensgewinne, anhaltendes wirtschaftliches Wachstum bei minimaler Inflationsrate und nicht zuletzt die Aussicht auf eine steuerliche Entlastung sprechen eindeutig für „feste“ Börsen, werden sicherlich nicht ohne Berechtigung behauptet.

Was indessen stört, ist die Unberechenbarkeit im Anlageverhalten der Ausländer, die letztlich die Hauptträger der zurückliegenden nahezu dreijährigen Aktienhausse waren. Wann kommt für sie der Zeitpunkt, zu dem es sich für sie lohnt, Kursgewinne und etwaige Währungsgewinne zu realisieren? Bisher lagen nach den Beobachtungen der Banken nur solche Ausländer auf der Verkäuferseite, die ihr deutsches Engagement aus rein spekulativen Gesichtspunkten aufgebaut haben. Die großen institutionellen Investoren in England und den USA scheinen im Augenblick noch nicht daran zu denken, ihre deutschen Positionen wieder aufzugeben.

Inländische Anleger, vor allem die den Versicherungsunternehmen nahestehenden Fonds, suchen derzeit Kurschancen und zugleich Sicherheit in renditestarken Aktien. Davon profitieren die Papiere der deutschen Großchemie ebenso wie die RWE- und auch Veba-Aktien. Weniger dagegen die Bankaktien, obwohl sie nach den klassischen Regeln vor allem Nutznießer einer Zinssenkung sein sollten. Offensichtlich stören aber die öffentlichen Diskussionen über die Einengung der Zinsmarge ebenso wie die Befürchtungen, die Schuldensituation in den lateinamerikanischen Ländern könnte doch eines Tages eine weltweite Bankenkrise auslösen.

Ungestört nach oben bewegen sich die Kurse der Hypothekenbanken. Die Halbjahresberichte der Institute lassen ein lebhaftes Neugeschäft im Hypothekenbereich erkennen. Die Hoffnung auf gute Jahresabschlüsse für 1985 ist berechtigt. In dem einen oder anderen Falle dürften sogar Berichtigungsaktien bei gleichbleibenden Dividenden winken. Der Anstieg rückständiger Zinsen und die wachsenden Zahlen von Zwangsmaßnahmen gegen säumige Hypothekennehmer sind zwar Schönheitsfehler, aber nicht entscheidend für das Gesamtergebnis der einzelnen Institute. K. W.