Von Ralf-Peter Märtin

Die Passage war gebucht, sämtliche Termine abgesprochen, das Empfangskomitee nach Alexandria bestellt. Die „Freccia dell Ovest“ – unter italienischer Flagge laufend (weswegen ich auf eine gute Küche noffte) – war bestimmt, von Haifa über Alexandria nach Triest zu gehen und ich mit ihr, dachte ich.

Es kam ganz anders, und daß es ganz anders kommen kann, ist ein wesentliches Merkmal, das Frachtschiffsreisen von der übrigen wohlgeordneten Reisewelt mit ihren genauen Fahrplänen, Sondertarifen und Schadenersatzklagen unterscheidet

Zwei Wochen bevor es losgehen sollte, rief mich eine Dame meines auf Frachterreisen spezialisierten Reisebüros mit trauerumflorter Stimme an. Gewissermaßen über Nacht habe der Reeder der „Freccia“, ein günstiges Werftangebot zur Generalüberholung seines Schiffes nutzend, den Dienst eingestellt.

Das Ansinnen, anstelle des Frachters eine ordinäre Fähre zu benutzen, wies ich mit Entrüstung zurück. Listigerweise hatte die Dame jedoch einen interessanteren Vorschlag in petto, nämlich den, statt des Mittelmeers die Ostsee zu befahren. Ihr Hinweis, daß im Sommer auf der Ostsee gelegentlich schönes Wetter herrsche, überzeugte mich, und tatsächlich: Als ich in Lübeck eintraf, um an Bord zu gehen, regnete es nur wenig und die Temperatur betrug immerhin 14 Grad.

Die „MS Camilla“, finnischer Nationalität, 1982 in Dienst gestellt, mit einer Tragfähigkeit von 7000 Tonnen, 133 Meter lang, knapp 21 Meter breit und 14 Meter hoch, lag zum Auslaufen bereit am Nordlandkai. Durch die Heckklappe rollte der letzte der zehn fabrikneuen Wohnwagen, die den auffälligsten Teil der Ladung bildeten, schon ging der Lotse an Bord, und hätte ich nicht gleiches getan, wäre mir nur noch die Rolle des verabschiedenden Tuchschwenkers geblieben. Womit wir bei einem weiteren Merkmal des Frachtschiffreisens angekommen sind: Auf die Passagiere wird nicht gewartet.

Die „Camilla“, ein modernes Containerschiff, stach nach Kemi und Oulu, zwei nordfinnischen Häfen, in See, um dort Papier zu laden; die Rückfracht ist weniger eindeutig definiert: man nimmt, was man kriegen kann.