Der mühsame Wandel einer Familienfirma

Von Hans Otto Eglau

Zu einem historischen Treffen werden sich die Mitglieder der rheinischen Waschmittel- und Chemie-Dynastie Henkel an diesem Samstag um 11.30 Uhr im Fritz-Henkel-Haus in Düsseldorf-Holthausen versammeln. Genau 109 Jahre nach der Eintragung der Firma ins Gesellschaftsregister wollen die 66 direkten Abkömmlinge des Gründers Fritz Henkel den Weg für den Eintritt familienfremder Kleinaktionäre in das Traditionsunternehmen freigeben.

Obwohl alle Welt schon seit Monaten über die geplante Börseneinführung spekuliert, wollte die zu äußerster Verschwiegenheit angehaltene Geschäftsführung noch Anfang der Woche weder Termin noch Ort der außerordentlichen Hauptversammlung der Henkel KGaA verraten. Irgendwann „Ende August“, so ein Firmensprecher nebulös, werde die Familie zusammenkommen; was am Ende dabei herauskomme, sei im übrigen jedoch noch völlig offen.

Nicht ohne Grund gerieren sich die Henkel-Manager derzeit wie Anstifter einer geheimen Verschwörung. Die vorzeitige Veröffentlichung aller wesentlichen Einzelheiten des geplanten Börsengangs aus einem vertraulichen Prospektentwurf Anfang des Monats in der Presse, hat die Regisseure des Familienkonzils erheblich verunsichert. Empfindliche und von der Beteiligung Fremder weniger überzeugte Aktionäre, so ihre Sorge, könnten unter dem Eindruck, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein, unter Umständen aus Verärgerung ihre Zustimmung verweigern.

Die Folgen wären verhängnisvoll. Denn nach ihrem strengen Regulär müssen die Aktionäre die Aufnahme fremder Anteilseigner einstimmig beschließen. Aus taktischen Gründen werden die Interpreten des Familienrats bei aller sonstigen Wortkargheit denn auch nicht müde zu betonen, daß der Hauptversammlung nicht nur das bekanntgewordene Börsenmodell, sondern daneben auch Alternativwege für eine Verbreiterung der Kapitalbasis zur Entscheidung vorgelegt werden. Allerdings zeigen sich zum inneren Kreis der Sippe zählende Henkel-Erben hinter vorgehaltener Hand davon überzeugt, daß – nachdem die weit vorangeschrittene Planung auf der letzten Gesellschafterversammlung Anfang Mai nur wegen geringfügiger Differenzen noch einmal vertagt werden mußte – diesmal eigentlich nichts mehr schief gehen können.

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