Die Bemühungen von Indiens Premierminister Rajiv Gandhi, seinem Land nach Jahren der Gewalt endlich den ersehnten inneren Frieden zu bringen, haben einen schweren Rückschlag erlitten.

Am Dienstag ermordeten jugendliche Sikh-Extremisten Harchand Singh Longowal, den gemäßigten Führer der Sikh-Partei Akali Dal. Bei dem Anschlag auf einer Wahlveranstaltung im Punjab wurde ein zweiter Mann getötet, drei weitere wurden lebensgefährlich verletzt. Dem Attentat auf Longowal war am selben Tag ein tödlicher Anschlag auf einen Bezirkspräsidenten der regierenden Kongreß-Partei vorausgegangen.

Longowal hatte am 24. Juli mit Rajiv Gandhi das Abkommen zur Befriedung des Punjab unterzeichnet. Trotz weitreichender Zugeständnisse der Zentralregierung warfen militante Sikhs Longowal danach „Ausverkauf“ und „Verrat“ vor. Auf den Befürworter des Ausgleichs mit Delhi konzentrierte sich seither der Haß der Extremisten, die im Punjab einen unabhängigen Sikh-Staat „Khalistan“ ausrufen wollen

Rajiv Gandhi steht jetzt vor der Bewährungsprobe. Politisch unerfahren und ohne persönlichen Ehrgeiz trat er die Nachfolge seiner von 2wei Sikh-Leibwächtern ermordeten Mutter Indira Gandhi an.

In den ersten Monaten seiner Amtszeit bewies der 41 Jahre alte Premier unerwartetes politisches Geschick. Der Mord an Harchand Singh Longowal ist seine erste bittere Lektion. Wird es ihm gelingen, die jetzt drohende erneute Eskalation der Gewalt abzuwenden und das zerrissene Land doch noch zusammenzuführen?

M. N.