Kaum bekannt ist die Möglichkeit, die Kosten für beruflich bedingte Reiseversicherungen steuerlich abzusetzen.

Der Bonner Steuerbevollmächtigte Heribert Kohl, Berater des Verbandes „Arbeitskreis selbständiger Reisebüros“ (ASR) sowie steuerlicher Helfer für knapp 400 Unternehmen der deutschen Reise- und Fremdenverkehrswirtschaft, erinnerte seine Kunden per Rundschreiben an die Tugend des Sparens: ‚Der Versuch, jede müde Mark von der Steuer abzusetzen, ist nicht nur für Großverdiener interessant.“

In diesem speziellen Fall meinte der Experte die nahezu unbekannte Möglichkeit, die Kosten für jegliche Art von Reiseversicherungen als Werbungskosten, Betriebs- oder Sonderausgaben von der Steuer abzusetzen – sofern die Versicherungen ausschließlich anläßlich einer Dienstreise abgeschlossen wurden. Das gilt für Flugunfallversicherun-Das Reiseunfallversicherungen, Reisehaftpflichtversicherungen, Gepäckversicherungen und Reiserücktrittskosten-Versicherungen. Zur letztgenannten Versicherungsart gibt es allerdings noch keine entsprechende Rechtssprechung.

Aber die Prämien für solche Versicherungen werden nur dann anerkannt, wenn sie sich auf eine einzelne Dienstreise beziehen, nur dann sind sie als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar. „Betriebsausgaben“ können Firmenchefs geltend machen, „Werbungskosten“ hingegen Angestellte.

Eine Dauer-Flugunfallversicherung, wie sie für Vielflieger abgeschlossen wird, fällt dagegen unter die Rubrik „Sonderausgaben“ – wenn der Chef der Versicherte ist. Prämien für den Dauerschutz von Angestellten sind dann nur im Rahmen der „Zukunftsicherung“ zu betrachten und bis 312 Mark steuerfrei. Die Kosten für eine im Reisepreis eingeschlossene Reiseunfall- und Reisehaftpflichtversicherung können ebenfalls als Betriebsausgaben geltend gemacht, aber auch in beschränktem Umfang und wahlweise als Sonderausgaben in die Steuererklärung geschrieben werden.

Jede einzelne Versicherung muß sich auf eine bestimmte Dienstreise beziehen. Deswegen können langlaufende und allgemein gültige Gepäckversicherungen zum Beispiel nicht steuerlich abgerechnet werden. Deshalb können auch die im Tourismus beliebten „Pakete“ mit mehreren Reiseversicherungsarten nicht pauschal abgesetzt werden.

Erweitert man die Reihe der unmittelbar mit einer Reise zusammenhängenden Versicherungsarten um die Sparten „Krankenversicherung im Ausland“, „Krankengeld“ und „Krankentagegeld“, „Lebensversicherung“ und „Unfallversicherung“, die alle ebenfalls anläßlich einer Dienstreise abgeschlossen werden können, dann gilt auch hier: Die Prämien sind grundsätzlich absetzbar, wenn auch mit unterschiedlichen Gewichtungen. So können nach Auffassung des Steuerfachmanns Kohl die Ausgaben für eine Krankenversicherung, die für eine einzelne Reise getätigt wurde und mögliche Krankheitsmehrkosten wie Rücktransport oder bessere Verpflegung abdecken soll, als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden – auch dann, wenn die Versicherung nicht nur die Krankheitsmehrkosten einschließt, sondern auch alle im Ausland anfallenden Behandlungskosten, die von der heimischen gesetzlichen oder privaten Krankenkasse nicht getragen werden. Zwar sei auch hierzu in Literatur und Rechtssprechung noch nichts gesagt worden, aber, meint Kohl, „ich gehe davon aus, daß auch Krankheitskosten, soweit es sich um Mehraufwendungen handelt, die durch eine Erkrankung auf einer Geschäfts- oder Dienstreise entstehen, als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden können“.