ARD, Mittwoch, 28. August, 20.15 Uhr: „Schwarzer Lohn und weiße Weste“, Fernsehspiel von Nicole Schürmann und Marco Serafini

Wieviel Millionen gehen dem Staat jährlich durch Schwarzarbeit verloren?“ fragt die Journalistin in diesem Fernsehspiel. „In Millionen“, erhält sie als Antwort, „läßt sich das kaum ausdrücken.“

Allein im letzten Jahr wurden in der Bundesrepublik 83 000 Fälle von Schwarzarbeit, „unerlaubter Arbeitnehmerüberlassung“ und „illegaler Ausländerbeschäftigung“ verfolgt, die nicht nur zu Milliardenverlusten an Steuern und Sozialabgaben führen, sondern auch erheblich die Arbeitslosenstatistik belasten.

Um das Problem besser angehen zu können, ist seit drei Jahren ein spezielles Gesetz zur Bekämpfung der illegalen Beschäftigung in Kraft und die Bundesanstalt für Arbeit hat in 30 Arbeitsämtern des Landes sogenannte „Stützpunkte“ eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit Steuerfahndung, Polizei oder Krankenkassen nach Schwarzarbeitern und Weißen-Kragen-Tätern fahnden. Und dennoch floriert der illegale Handel mit der Arbeitskraft weiter, nicht zuletzt durch die internationalen mafiosen Organisationsformen und begünstigt durch die hohen Profite, die die Vermittlung von Schwarzarbeit immer noch einbringen. „Es ist wie beim Rauschgift“, sagt Hans-Werner Kahl, Leiter des Hamburger „Stützpunktes“. „Wer hundert Leute überläßt, verdient an ihnen pro Tag glatt zehntausend Mark.“

Daß sich solch vergleichsweise trockene Wirtschaftsthematik in Form des populären Fernsehspiels durchaus ans breite Publikum bringen läßt, hat Dieter Meichsner mit seiner Zollfahnder-Reihe „Schwarz-Rot-Gold“ bewiesen. Doch im Gegensatz zu Meichsners Wirtschaftskrimis rückt in „Schwarzer Lohn“ die Darstellung der Behördenarbeit in den Hintergrund zugunsten eines Blicks auf die Mechanismen, die auf den verschiedenen Ebenen die Schattenwirtschaft in Gang halten.

Da gibt es den Baulöwen Friedrichs, der mit illegalen englischen Leiharbeitern ganze Blocks hochzieht. Den smarten Arbeitsvermittler Bubi Bublitz, seinen Handlanger und auch den ominösen großen Boß in London. Neben den abgebrühten Organisatoren des internationalen Geschäfts mit der Schwarzarbeit zeigt der Film aber auch die von der Not Verführten. Weil seine Lichtwerbung nicht mehr konkurrenzfähige ist, läßt sich der Kleinunternehmer Lohmann überreden, seine Angestellten zu entlassen, um mit Schwarzarbeitern billiger kalkulieren zu können und so an den dringend notwendigen großen Auftrag zu kommen. So landet auch der kleine Arbeitslose König (Peer Schmidt) kurioserweise auf der Baustelle und Gehaltsliste von Bubi Bublitz, dessen englische Schwarzarbeiter er vorher anonym an den „Stützpunkt“ des Arbeitsamtes verpfiffen hatte.

Das alles ist sorgfältig konstruiert. Aber so wirkt es eben auch zuweilen. „Wir mußten eine reduzierte Form finden“, sagt der verantwortliche Redakteur Eberhard Scharfenberg, „die zuallererst zeigt, wie der Handel mit der Arbeitskraft innerhalb der Schattenwirtschaft funktioniert“. Daß dabei etwas „Comic-ähnliche Menschenbilder“ entstanden, räumt auch die Autorin Nicole Schürmann ein. Dem entsprechen die schicken Gauner, die ihren Menschenhandel beim Cocktail in gestyltem Ambiente abwickeln, die sonnenbebrillten Schlägertypen oder der vertrottelte (von dem Berliner Underground-Filmer Lothar Lambert gespielte) Fahnder vom „Stützpunkt“.

Dazu kontrastieren die realistischeren, in ihren Motiven und Gewissenskonflikten nachvollziehbaren kleinen Gelegenheitstäter. Aber dies ist für uns Fernsehzuschauer, die wir Schwarzarbeit nicht selten für ein Kavaliersdelikt halten, schließlich ja auch die entscheidende Perspektive. Krischan Koch