Von Manfred Sack

Reden wir nicht über den „Geländeplan“, der dem Besucher der Bundesgartenschau in Berlin für 50 Pfennige zugemutet wird: einen fast unbrauchbaren, in manchen Partien nicht einmal mit der Lupe zu entziffernden, ungenauen Plan; es muß ein ziemlich gedankenloser Mensch gewesen sein, der die Vorlage, einen wandgroßen, gemalten Plan, einfach linear verkleinern ließ. Lassen wir auch vom Katalog ab, der den beteiligten Firmen dienlicher zu sein scheint als den Besuchern, der ausgerechnet den schönsten der vier Eingänge unterschlägt, nein, in eine ganz andere Rubrik abdrängt. Auch ist es nun mäßig zu fragen, warum eines der interessantesten Ereignisse dieser Veranstaltung, eine kleine Siedlung gruppierter Häuser von fünf ökologisch denkenden Architekten für Gartenschaubesucher unzugänglich bleibt, es sei denn, sie verlassen das Gelände und machen einen weiten Umweg (es gibt ein empfehlenswertes Buch darüber: „Grüne Häuser“; Archibook, Berlin, 1985; 108 S., Abb., 24 Mark).

Es soll auch nicht weiter gefragt werden, warum dieser neue Park zur Hälfte aus Wasser bestehen muß, einem etwas manieristisch gewundenem See, dessen Organismus mitsamt den Quellen, Bächen, Tümpeln über ein großes (wenn auch wohlgestaltetes) Pumpenhaus in Gang gehalten werden muß: Werft die Maschine an, damit die Natur funktioniert! Natur als technischer Vorgang – eine merkwürdige Dauerveranstaltung. Doch abgesehen von alledem (und in Erwartung des Tages, an dem die Zäune fallen und der Park ein Teil seiner idyllischen Umgebung wird), finden sich darin viele schöne Nebensachen, die es verdienen, bemerkt zu werden.

Das Britzer Eck

Es bezeichnet den Beginn einer gut tausend Meter langen, kurzweiligen, balsamisch ruhigen Eingangspassage. Sie besteht, ohne daß man es wirklich merkt, aus vier ineinander übergehenden Teilen. Der erste ist das „Eck“, ein spitzes Dreieck, dessen angestammte, vorsichtig verlagerte Besonderheit ein alter, für Berlin typischer Pfuhl ist, ein Tümpel, dessen Rinder wohltuend im unklaren bleiben. Die Architekten (der für die Landschaft zuständige Jürgen Zilling und seine Kollegen vom Bau, Jasper Halfmann und Clod Zillich) haben seitlich daran einen Brückensteg angelegt, der mit äußerster Gelassenheit Abwechslungen bietet: Er verändert seine Höhe, so daß man ein paar Stufen steigt, er teilt sich, ändert vorsichtig seine Richtung, bildet kleine Terrassen, damit man zum Beispiel den Enten zuschauen kann, er findet wieder zusammen und führt zum zweiten Teil, der etwa dreihundert Meter langen „Raumpassage“.

Das ist ein breites, parallel zum alten Massiner Weg und zwischen Schrebergartenkolonien hindurchführendes Wiesenband, auf dem knorrige Obstbäume stehen. Die Architekten haben ihn aber ganz sanft in Plätze, besser: in eine Folge von lichten Räumen verwandelt und durch baumdicke, grob behauene Vierkantpfähle und quadratische Steinplatten im Gras markiert, möglichst unauffällig. Am Anfang sind einige Pfähle an die zwölf Meter hoch, nach und nach werden sie niedriger.

Dann passiert man einen alten flachen, knapp mannshohen Bunker, auf dessen Dach nun ein Rasenbeet wächst. Auf den zehn Entlüftungspfeilern ringsum summt in Obertonakkorden der Wind: Es sind Windharfen, die der Bildhauer Paul Pfarr darauf installiert hat, Resonanzkörper aus Messing, in den Schleusen Nylondrähte verschiedener Länge, Dicke, Spannung. Der Wind findet sie aus jeder Richtung.