Gertlauken, 15. November 1941

In Gertlauken arbeiten die meisten Leute als Forstarbeiter im Wald. Aber auch die Kleinbauern mit ihren zehn oder zwanzig Morgen und etwas Pachtland, die im Sommer ihren Hof bearbeiten, sind im Winter im Wald, und man nennt sie hier „Holzrücker“. Frauen und Kinder helfen beim Bäumepflanzen. Es gibt auch ein paar Handwerker: einen Ofensetzer, einen Stellmacher, Schuster, Bäcker, Fleischer und so weiter, sowie einen oder zwei Köhler. Größere Bauern mit neunzig oder hundert Morgen sind selten. Für die Waldarbeiter sind in der letzten Zeit freundliche Siedlungshäuser gebaut worden, dazu gehören etwa zwei Morgen Land, so daß jeder sein Schwein, seine Gänse, Enten, Hühner hält, mancher auch eine Kuh. Eine Lieblingsbeschäftigung ist die Imkerei. Einer besitzt an die hundert Bienenstöcke, die meisten haben zwei bis zehn.

26. November 1941

Ich habe mich jetzt schon ganz gut eingelebt. Die Menschen sind alle freundlich. Mir ist manchmal ganz seltsam zumute. Einmal ist mir, als sei ich nur vorübergehend zu Besuch hier, dann meine ich wieder, schon monatelang in Gertlauken zu leben. Mir fehlen nur oft Kollegen und Ratschläge für die Arbeit in der Schule. Es ist schwierig, so allein herumzubrasseln.

18. Januar 1942

Ich habe es in meinem 800-Seelen-Dorf doch wirklich gut getroffen. Es ist ja ein Walddorf mit mehreren Förstereien, und König ist der Herr Oberforstmeister. Viele Familiennamen enden hier auf „at“ wie Dannat, Struppat, oder auf „eit“, Schustereit, Nikoleit, aber auch auf „ke“ wie Lemke, Liedtke. Doch auch so allgemeine Namen wie Schwarz, Beckmann und Neumann gibt es, während die mit der Endung „etter“, wie Scharfetter zum Beispiel (so heißt unser Oberforstmeister), österreichischen Ursprungs sein sollen – die Leute mit solchen Namen stammen von jenen Flüchtlingen aus dem Salzburger Land ab, die dort 1732 ihres evangelischen Glaubens wegen von den Bischöfen vertrieben wurden und vom Soldatenkönig in Ostpreußen aufgenommen wurden, wo das Land durch die große Pest von 1709-1711 sehr entvölkert war. In der Kirche von Laukischken muß der Pfarrer auch litauisch predigen.

13. Februar 1942