Von Dietrich Strothmann

Vergebliche Friedensmüh’ – weder auf dem Araber-Gipfel im marokkanischen Casablanca noch während der Mission des US-Staatssekretärs Richard Murphy wurde etwas in Richtung auf eine Annäherung zwischen Israel, Jordanien und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) bewegt, um keinen Millimeter. Und wie hatten sich alle Beteiligten vorher abgemüht.

Erst waren sich der jordanische König Hussein und PLO-Chef Jassir Arafat im Februar darüber einig geworden, daß eine gemischte Delegation anfangs mit den Amerikanern, später im internationalen Rahmen mit den Israelis verhandeln sollte. Dazu mußte Hussein den im Libanon wundgeschlagenen Arafat unter Druck setzen, und Arafat mußte die letzten ihm noch verbliebenen Anhänger überzeugen. In der zweiten Vorbereitungsphase machten nacheinander Hussein, der ägyptische Präsident Hosni Mubarak und der saudische Monarch Fahd in Washington ihre Aufwartung. Zuletzt aber, in den vergangenen zwei Wochen, blitzten Hussein und Arafat bei ihren eigenen Brüdern auf der außerordentlichen Konferenz der Araberliga in Casablanca ab, reiste der US-Vermittler Murphy aus Amman wie auch aus Jerusalem unverrichteter Dinge ab. Außer Spesen also nichts gewesen?

Wer die Anstrengungen um eine Fortsetzung des Friedensprozesses im Nahen Osten nach dem Vertrag von Camp David im Jahre 1979 Revue passieren läßt, der muß verzagen. Was auch immer die Araber vorschlugen, die Amerikaner anboten, die Israelis konzedierten – es war stets vergeblich. Entweder zeigten die Gegenspieler die kalte Schulter oder in den eigenen Reihen wurde quergeschossen. Der Fez-Plan der Saudis, der immerhin eine verklausulierte Anerkennung des Staates Israel avisierte, verfiel der Jerusalemer Ablehnung. Der Reagan-Plan, der eine jordanisch-palästinensische Konföderation anstelle eines eigenen Staates Palästina empfahl, wurde von Israel und der PLO verworfen. Die Initiative Husseins und Arafats, die Reagans Konföderationsidee propagierte, direkte Verhandlungen mit den Israelis indessen ausschloß und PLO-Mitglieder als Delegierte empfahl, lief an der gemeinsamen arabischamerikanisch-israelischen Front auf. Die Araber halten am Staat Palästina fest, verbal zumindest; die Amerikaner fordern für eine Anerkennung der PLO als Vorleistung die Erfüllung der Kissinger-Bedingungen von 1975 (Absage des Terrors, Annahme der UN-Resolutionen 242 und 338, Anerkennung Israels); die Israelis bestehen auf unmittelbaren Vertragsgesprächen mit Hussein und ihnen genehmen Palästinensern.

Wie soll mit solchen Hemmklötzen das Friedenskarussell in Fahrt gebracht werden? Jeder mühsame Versuch, es in Gang zu bringen, muß vergeblich sein – weil die Verhältnisse es nicht zulassen, die Zeit noch nicht reif ist, bisher kein zweiter Sadat die Bühne betreten hat?

Die Verhältnisse: Im arabischen Lager, wie es die Konferenz in Casablanca erneut vorgeführt hat, grassieren Mißtrauen, Neid und Argwohn. Die Liga sei „im Sarg“, kommentierte Mubarak den Zustand arabischer Zerrissenheit. Auch wenn es Hussein gelang, Arafat in sein Verhandlungskonzept einzubinden, bedeutet das noch längst nicht, daß die anderen arabischen Staatsoberhäupter ihm ihren Segen erteilen. Und allein kann der jordanische König, von Feinden umstellt, den großen Sprung über den Jordan nicht wagen. Der israelische Ministerpräsident Schimon Peres hat gut reden, von Amman nach Jerusalem sei es nur knapp eine Stunde mit dem Auto.

Derselbe Schimon Peres könnte es zur Zeit ebensowenig wagen, sich mit einer jordanischpalästinensischen Delegation an einen Tisch zu setzen, wäre er auch mit der Auswahl der palästinensischen Mitglieder einverstanden. So wenig sich Jassir Arafat, von Rebellen und Kritikern seiner PLO scharf ins Visier genommen, zu weit vorwagen kann, so wenig hat Peres in seiner brüchigen Regierungskoalition genügend Spielraum für entschlossene Vorstöße. Jeder ist blockiert und blockiert automatisch den anderen.