Sommer und Festspielzeit sind zu Ende – und die großen Festspiele mit ihrer Kunst auch. Salzburg, Bayreuth, München: Geld ohne Geist?

die Salzburgerische Musik noch immer reich am Unnützlichen, Unnotwendigen, aber sehr arm am Notwendigen und des Unentbehrlichsten gänzlich beraubt.“

Mozart in einem Brief vom Sommer 1778 an den Vater.

Das war kein strahlender Sommer. Draußen nicht. Und drinnen? Wenn wir Aufführungen und Konzerte überblicken und uns an Momente des Entzückens oder heilsam schönen Entsetzens dankbar erinnern –: bleibt da mehr als „gepflegte Langeweile“?

Vor Kunst als Schlafmittel hat sogar Merian, das sich eher an Touristen denn an Kunstfreunde wendende „Monatsheft der Städte und Landschaften“, die Salzburger Patriarchen schon vor zwei Jahren gewarnt und „unverbindlichen Pluralismus“ und „Ideenlosigkeit“ beklagt. Inzwischen hat sogar der Erzbischof die Stimme erhoben und – in einer Predigt – die Künstler an die „geistiggeistlichen Werte“ ihres Tuns erinnert, damit „der Dom nicht nur Fassade für ,Jedermann‘ bleibt“.

Aber das greise Gremium, in dem sich Herbert von Karajan mit einer Schar kunstfremder Ja-Sager umgeben hat, will nicht hören. So muß es fühlen: Der von Regisseur Piero Faggioni öffentlich geohrfeigte Festspieldirektor Otto Sertl zieht sich vor weiteren (auch nur verbalen) Watschen zurück. Der Präsident, Moser heißt er, bringt es fertig, kritische Stimmen seiner Landsleute zur Zukunft der künstlerisch dahinsiechenden Festspiele abzuwürgen mit dem Hinweis, die größte amerikanische Fluggesellschaft habe doch im Juli ihre Bordzeitung Salzburg gewidmet. Moser ist gut auch für den festspielreifen Satz: „Die Festspiele tadeln heißt gegen die Kultur sein.“

Gegen die Kultur – in Bayreuth – ist dann auch der Regisseur Wolf Siegfried Wagner, wenn er seinem inszenierenden Onkel Wolfgang, dem allenfalls bei Dirigenten und Sängern etwas riskierenden Festspielleiter, (in Harper’s Bazaar) bescheinigt und damit endlich einmal öffentlich ausspricht, was Musikkritiker nur zwischen den Zeilen schreiben: „Nein, er ist kein Regisseur.“