70 000 verheiratete Priester nur Spitze eines Eisbergs.

Schlagzeile einer dpa-Meldung vom 25. August 1985

Große Show vom „süßen Pfaffen“

„Süßer Pfaffe“ nannten ihn seine Untertanen, den berühmtesten der Salzburger Erzbischöfe, Wolf Dietrich von Raitenau, weil er so prächtig zu tafeln verstand. Wie damals nicht ungewöhnlich lebte der Gottesmann, der ein bedeutender Politiker, Diplomat und Kirchenmann war, mit einer Frau zusammen. Die schöne Bürgertochter Salome Alt zog in den bischöflichen Gemächern die fünf Kinder auf, die sie mit dem Priester hatte, der in seiner Regierungszeit von 1587 bis 1611 aus dem mittelalterlich engen Salzburg ein „deutsches Rom“ machen wollte. Als Stadtplaner und Kunstmäzen war Wolf Dietrich ebenso berühmt wie als theologischer und politischer Schriftsteller. Der Renaissancefürst im Priestergewand wird von seinen bayerischen Widersachern gefangen und verbringt die letzten Lebensjahre im Kerker auf Hohensalzburg – über der Stadt, die nach seinen Plänen umgebaut wird, so wie wir sie heute kennen. 1987 gelten diesem Staatsmann mit der abenteuerlichen Lebensgeschichte große Ausstellungen, zu denen der nach 1800 verstreute Schatz der „Erzstifftlichen Silberkammer“ aus aller Welt wieder in Salzburg zusammengetragen werden soll. Gerhard Wimberger wird über den „süßen Pfaffen“ mit dem düsteren Ende eine große szenische Chronik komponieren, die bei den Festspielen uraufgeführt wird.

Mit dpa in der Toskana

Florenz (dpa) – An Ausgelassenheit oder gar Tanz dachte eigentlich niemand der rund 33 Teilnehmer der Sommerakademie Toskana, nachdem eben die letzte von zwölf dreieinhalbstündigen Seminarsitzungen beendet und das Geschirr des Abendessens abgeräumt waren. Nur am Tisch von Günter Kunert herrschte wie fast jeden Abend Heiterkeit. Der so oft apostrophierte „Lyriker der Melancholie, der Versteinerung und Beziehungslosigkeit“ entpuppte sich als ein unterhaltsamer, oft kalauernder und lebenslustiger Zeitgenosse, der es verstand, seine Tischrunde immer wieder in Lachsalven ausbrechen zu lassen. Er war es dann auch, der zu vorgerückter Stunde spontan aufstand, seine Frau bei der Hand nahm und ins Haus tanzen ging. Einige folgten ihm, andere rieben sich die Augen: Günter Kunert, der Prophet der Katastrophe, tanzte!

In eigener Sache

Die Pressestelle des Westdeutschen Rundfunks richtete ihren Brief an „DIE ZEIT – Pressestelle“ in der vermutlich richtigen Annahme, daß ein Unternehmen nur dann existiert, wenn man von ihm redet, was voraussetzt, daß es über sich redet, was voraussetzt, daß es eine Pressestelle hat – womit bewiesen ist, daß die Pressestellen das Herz und die Schrittmacher aller Dinge sind und daß die Pressestelle des WDR als dessen höchstes Organ sich naturgemäß nur an ein ihr ebenbürtiges Oran zu wenden vermag, eben an die Pressestelle der ZEIT, die es aber nicht gibt, was fast einem Eingeständnis der Nichtexistenz gleichkommt, weswegen wir jetzt laut rufen: Wir sind noch da und suchen dringend einen Pressesprecher.