Gegen die Hochrüstung

Auf dem Internationalen Historiker-Kongreß in Stuttgart brachten ein amerikanischer, ein sowjetischer und ein englischer Historiker eine Resolution ein, die von 300 der 2000 Teilnehmer unterzeichnet wurde. Sie fordern, weltweit die Atomwaffenproduktion einzufrieren und nukleare Testexplosionen einzustellen. Hundert Personen des öffentlichen Lebens in der Bundesrepublik hatten bereits zuvor einen Aufruf an die Bundesregierung gerichtet, sich nicht „an der Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Stationierung der Weltraumwaffen zu beteiligen“. Japan sei ein gutes Beispiel dafür, daß technologischer Fortschritt auch ohne militärische Forschung möglich sei.

Bedrohte Deutsche?

Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ in Göttingen, verdient um das Schicksal bedrohter Minderheiten und Nationen rund um den Erdball – von den nordamerikanischen Indianern bis zu den Minderheiten in der Sowjetunion – hat die Deutschen entdeckt. Pogrom, die Zeitschrift der Gesellschaft, dokumentiert in ihrer neuesten Ausgabe Einzelheiten der Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten des Reiches und aus den osteuropäischen Nachbarländern – gewiß problematisch für die Zeitschrift einer Vereinigung, deren Mitglieder nicht mit den Lesern des Schlesier in einer Ecke stehen wollen. Ganz wohl scheint den Herausgebern des Heftes auch nicht gewesen zu sein: Die Veröffentlichung eines langen Interviews mit einem sudetendeutschen Sozialdemokraten jüdischer Abstammung soll offenbar vor allem den Vorwurf entkräften, hier marschierten Linke und Liberale ins deutschnationale Lager.

Die goldene Brücke

Bislang hat er den Personenkult gescheut. Jetzt, zum 81. Geburtstag, ließ sich Chinas starker alter Mann Deng Xiaoping mit einem Liedchen feiern, dessen Text die cninesischen Zeitungen ihren erstaunten Lesern präsentierten: „Das Lächeln, das verloren ‚war, schmückt heute die Augen. / Die gebundenen Füße springen jetzt über die goldene Brücke. / Der Gesang, einst unterdrückt, schallt aus der Brust. / Grüß Dich, Xiaoping, grüß Dich, Xiaoping.“ Mit den Liedern und Versen auf den großen Steuermann Mao hat das neue Lied nur entfernte Ähnlichkeit – und an welche Zeit mögen die Chinesen denken, wenn vom „verlorenen Lächeln“, vom „unterdrückten Gesang“ die Rede ist? An die vorrevolutionäre Epoche, als Füße tatsächlich gebunden waren? Oder an die Kulturrevolution Maos, als Deng nichts zu lächeln und zu singen hatte?

Abgestumpft

Es ist gar nicht lange her, da war die Vollstreckung eines Todesurteils in den Vereinigten Staaten noch eine Sensation. 1972 hatte der amerikanische Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aufgehoben; dieses Urteil hatte aber nur bis 1976 Bestand – seitdem wird in einigen Bundesstaaten wieder hingerichtet, und die Zahl der Exekutionen steigt. Wiederholungen stumpfen ab, auch wenn es um Leben und Tod geht: Da Hinrichtungen in Amerika heute fast alltäglich geworden sind, werden Todeskandidaten und Henker nicht mehr in den Medien vorgeführt, haben die Demonstrationen von Gegnern und Befürwortern der Todesstrafe vor den Gefängnistoren fast aufgehört. 1984 wurden 21 Amerikaner hingerichtet, 1983 waren es erst fünf. Alle Urteile wurden in den Südstaaten vollstreckt. Für 1985 rechnen die Todesstrafen-Gegner von der „American Civil Liberties Union“ mit 50 Hinrichtungen bis zum Jahresende.