Hörenswert

Christy Doran: „harsh romantics“. Ein bildkräftiger, treffender Titel für diese wilden, ein wenig zerzausten Stücke. Der aus Dublin gebürtige, seit 1959, seinem zehnten Lebensjahr, in Luzern lebende, seit zwanzig Jahren Gitarre spielende Christy Doran macht eine gänzlich andere Musik, als man in letzter Zeit auf seinem Instrument, der akustischen Gitarre, zu hören bekam – darunter ist die ganz hervorragende Schallplatte „Klangfarben“ des präzise, ungemein phantasievoll artikulierenden Uruguayers Alvaro Pierri (BA 29003, über Zweitausendeins). Doran jedoch spielt nicht Literatur, sondern eigene, höchst eigenwillige, rauhe und ruppige, vor Leidenschaft fast berstende Stücke. Es sind Gesänge, die sich schwerlich mitsingen lassen; es sind Tänze, die sich dem Tanzenden eher verweigern. Jazz? Ja, ein wenig. Rock? Nicht wirklich. Folklore? Zweifelhaft. Was auch immer – diese Musik nötigt ihre Zuhörer zuzuhören. (S 4007; Synton Records, Alleenstr. 29, 7300 Esslingen) Manfred Sack

Hervorragend

Die Zwei: „U.S.A.! U.S.A.! U.S.A.!“ Es müssen wohl Verrückte sein, die sich vornehmen, auf einer Langspielplatte a capella- Harmonien nach Art der kalifornischen Beach Boys, der Berliner Comedien Harmonists und der südstaatlichen Barbershop Quartets unterzubringen, verwegen kombiniert mit wehmütig gehauchten Erinnerungen an gloriose Monroe-Kinosong-Momente („River of No Return“), Disco-Phantasien über den Kultfilm „Blade Runner“ und mit einem zum schwarzen Sprechgesang („gRAPsch) aufgedonnerten zornigen Politdialog zwischen J.F.K, und Nikita Chr. Es kann sich aber nur um Hochbegabte handeln, wenn beim Anhören dieser Langspielplatte nicht forschreitende Ermüdung, sondern eher zunehmende Begeisterung eintritt. Die Brüder Gerd und Uwe Scheuerpflug, alias „Danny Wilde & Brett Sinclair“, rutschen mit Kennerschaft und Lust zwischen alle Stile und machen dabei stets eine formidable Figur. Mit der Virtuosität der völlig Eingeweihten tragen sie in ausgeklügelter Choreographie Zwanziger-Jahre-Pomade oder grelle Disco-Leuchtfarben auf. Sie zitieren, imitieren und parodieren mit einer solchen Treffsicherheit und selbstironischen Sophisterei, daß ihnen die U-Musik-Scene eigentlich zu Füßen liegen müßte. (Zensor-Schallplatten, Großbeerenstaße 88, 1000 Berlin 61) Barry Graves