Von Christina Weiss

Aus dem Kopf das Gehör herausgeschnitten, die Stimme zersplittert, den Geruchssinn geätzt, die Fingerspitzen verbrannt, die Hände zerbrochen, die Sprache verkleinert, Erinnerung vergessen, Lachen geübt, die Knie zerschlagen. “

wie die ramponierten Sinne wieder wecken, wie die heruntergekommene Sprache erneuern, wie routinegestumpftes Sich-Äußern wieder mit Unmittelbarkeit aufladen, wie das Verlorene wiederentdecken?

„Wer steht auf, hat eine unverständliche Sprache, macht hilflose Zeichen?“ Einer, der sich einläßt auf die langwierige Suche nach einer eigenen – ungeübten – Sprache, nach einem Sprechen über die Sprache, nach den Bildern von den Bildern, nach den Grundzügen unserer Wahrnehmung, einer, der als Wissenschaftler, Verleger und Dichter die Bedingungen des eigenen Denkens und Sprechens erforscht: Erwin Stegentritt.

Der 1946 in Saarbrücken geborene promovierte Sprachwissenschaftler ist ein Einzelkämpfer für die Kunst und mit der Kunst für das Experiment einer Veränderung der Weltsicht.

Aus den Anfängen einer Studentenzeitschrift gründete Stegentritt vor mehr als zehn Jahren im saarländischen Dudweiler die Kunstzeitschrift AQ – Situation der zeitgenössischen Kunst und Literatur und den AQ-Verlag, aus dem bereits eine beachtenswerte Reihe von künstlerischen Publikationen hervorging.

Seit 1978 kam die Editionsreihe „Sprachwissenschaft – Computerlinguistik“ hinzu mit einer Serie wissenschaftlicher Veröffentlichungen zur maschinellen Sprachverarbeitung: Übersetzungen, Analysen, Ordnungen, Speicherung von Texten.