Hans Pleschinskis „Pest und Moor“

Von Cora Stephan

Und so fing alles an: „Da hatt im Jarre des zornigen Härrn 1348, alswo die Pestseuchen schon gantz Mecklenpurg mitsamten synem hohen Hertzog nydergestrekket hatte, die Markgräffyn dero seltzamen Einfall mit die Spitalssürprise gehabt und hatt in dero Statt Kolberck manniglich Verwirrung und Wahn anrieht. Gott sey nun mit uns. Erparm dich Härre, errett dyn irdisch Jammerthal.“

Diese „Spitalssürprise“ aus dem Jahre 1348 zu entschlüsseln, unternimmt das Werk von Hans Pleschinski: „Pest und Moor – Ein Nachtlicht“.

Der Autor verfährt auf bewährte Weise. Markgräfin Irene, auch als Ellen von Kolberg und Körlin in den Chroniken verzeichnet, erfährt in harter Zeit, mitten im finstersten Mittelalter, umgeben vom Sensenmann, der in immer engeren Kreisen um die Stadt Kolberg reiche Ernte per Pest macht, eine wundersame Erleuchtung. Im Bunde mit Junker Jörg, dem Hanse-Sekretär aus Köln, und mit Meister Johannes, dem kundigen Bader vom Kreuzspital, unternimmt sie die nach letzterem benannte „Sürprise“ zur Überwindung des Mittelalters: „’Neuzeit’, dachte sie, ’Pest weg, Belagerung weg, Folterkammerwesen überdenken.’“ Unsere Welt sähe anders aus, wäre dem kühnen Unterfangen dieser unerschrockenen Frau Glück beschieden gewesen.

„Laß mich mit dir tanzen gehen“

In Literatur und Wissenschaft wird derzeit die Neuzeit überdacht. Wer hätte gedacht, daß auch das Mittelalter sich bereits überdachte? So oder auch anders könnte es jedoch gewesen sein. Markgräfin Irene jedenfalls überschreitet die Grenzen der damals bekannten Welt: Als sie mitten im harten Winter 1348 sehnsuchtsvoll phantasiert, daß es im Burgundischen Kohlenpfannen geben soll, die man sich winters wärmenderweise unter die Bettdecke schiebt, entfährt ihr der Ruf: „Kaffee! Heißen!“ Dies allein hätte genügt, die Heilige Inquisition an ihr Bett zu locken.