Auf der Spur
Bisher war der Lügendetektor aus der Verbrechensbekämpfung bekannt. Jetzt soll er auch der politischen Wahrheitsfindung dienen. Weil seine Administration unter Indiskretion leidet, hat Präsident Reagan die Überprüfung Zehntausender von Regierungsbediensteten angeordnet; höchste Geheimnisträger in den Chefetagen eingeschlossen. Mit Hilfe des Polygraphen sollen die undichten Stellen in Washington gestopft werden.
Schon die Ankündigung der Tests hat bei vielen Atem und Blutdruck beschleunigt; so sehr, daß jeder Detektor Alarm schlagen würde. Nicht Angst jedoch steigert den Adrenalinfluß, sondern Zorn. Das ist verständlich. Wenn Maschinen statt Menschen über Vertrauenswürdigkeit befinden, ist wahrlich Anlaß zur Empörung gegeben.
Ob der Widerspruch viel nutzt, ist jedoch fraglich. Selbst das mannhafte Veto von Außenminister Shultz könnte wirkungslos verhallen. Schließlich glaubt Ronald Reagan fest daran, politische Probleme durch Einsatz von Technik lösen zu können, maschinell zwischen Gut und Böse unterscheiden zu lassen – im Weltraum und jetzt auch auf Erden. Der Lügendetektor als Richter über ein Heer von Regierungsbeamten? Da kann einem schon verräterischer Schweiß ausbrechen. D. B.
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