Top-Manager Thiele hat Jens-Diether von Bandemer seine Unternehmen abgekauft

Ab kleiner Angesteller der Patentabteilung hat Heinz Hermann Thiele vor 16 Jahren bei der Firma Knorr-Bremse in München angefangen. Zug am Zug stieg er in der Hierarchie nach oben. Seit Anfang des Jahres ist er Chef der Gruppe mit rund einer Milliarde Mark Umsatz und 7400 Mitarbeitern. Jetzt gelang dem 44jährigen der letzte Schritt vom angestellten Manager zum Eigentümer der achtzig Jahre alten Firma.

Der Aufsteiger verdankt die erstaunliche Karriere einem prominenten Aussteiger: Dem 49jährigen Jens-Diether von Bandemer, der vor einem Jahr so gut wie alle Anteile der Familienholding Knorr-Bremse KG in seinen Besitz gebracht und sich damit gegen seinen Onkel Johannes Vielmetter durchgesetzt hatte – und dann plötzlich aus heiterem Himmel seinen Ausstieg aus der „Sinnlosigkeit materiellen Denkens“ und aus der Weit des kapitalistischen Gewinnstrebens ankündigte.

Bandemer schloß sich der umstrittenen religiösen „Gemeinschaft zur Förderung des Heimholungswerks Jesu Christi“ in Würzburg an, die sich nun „Universelles Leben e. V.“ nennt. Das war für das Unternehmen, das sich gerade in einer schwierigen Phase befand eine erhebliche Belastung. Die Kunden stellten peinliche Fragen und witzelten. „Da wurde man schon mal als Bruder Heinz angesprochen“, erinnert sich Thiele mit gemischten Gefühlen.

Jetzt wurde eine Transaktion perfekt, mit der sich Bandemer endgültig und vollständig von der Firma zurückzieht. Er verkauft nicht an einen der Interessenten, von denen es offenbar genug gegeben hat, sondern er überträgt seine 71 Prozent Anteile an der Holding auf Thiele, der bisher schon als alleiniger Komplementär über sieben Prozent verfügte. Mit 78 Prozent ist er damit Herr im Hause; die Mutter von Bandemer hält noch fünfzehn Prozent und seine Frau sieben Prozent.

„Das ist gewiß ein ungewöhnlicher Vorgang“, sieht Thiele selbst den Rollenwechsel, „aber wir lebten auch in einer ungewöhnlichen Situation.“ Maßgebend sei der Wunsch gewesen, die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit des Unternehmens zu erhalten und den Mitarbeitern so rasch wie möglich Sicherheit zu geben.

Über die Größenordnung seines finanziellen Engagements schweigt sich der neue Eigentümer aus. Allzu schwer hat man es ihm gewiß nicht gemacht. Er konnte dabei auf die Mittel zurückgreifen, welche die Knorr-Gruppe schon Anfang des Jahres für Bandemer zum Kauf der Anteile seines Onkels bereitgestellt hatte. Den größeren Teil des Gesamtbetrags konnte Thiele so per „Innenfinanzierung“ verkraften. Den restlichen Kaufpreis hat Bandemer teilweise mehrjährig gestundet, einen nicht genannten Betrag konnte Thiele selbst beschaffen, Geholfen hat ihm dabei die Deutsche Bank. Gleichwohl stellt der neue Unternehmer fest: „Dieses Unternehmen gehört nicht zum Dunstkreis der Deutschen Bank.“