Ostwind

Die sowjetische Diplomatie beschwört den „Geist von Genf“. Mit ihm lasse sich nicht vereinbaren, so hat sie der Bundesregierung notifiziert, daß Bonn mit Washington über die Beteiligung deutscher Firmen an SDI verhandeln wolle. Gleiches hat auch Außenminister Schewardnadse dem Bonner Botschafter Kastl dargelegt.

Moskau macht Wind. Aber der ist eher frisch als eisig. Gleichzeitig lockt der Kreml eine Dortmunder Firma mit einem Projekt von zehn Milliarden Mark. Gorbatschow erkennt nüchtern: Ohne wirtschaftliche Kooperation mit dem Westen kann er die Sowjetunion nicht modernisieren. Ohne Entspannung mit Amerika kann er mit dem Westen nur schlecht kooperieren. Also macht er auch die Bundesregierung nicht zum Prügelknaben für Reagans Rüstungsträume. Er reduziert sie vielmehr zum Anhängsel der amerikanischen Regierung.

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Der Kanzler aber fühlte sich bestätigt: Keine neue Eiszeit, gute Wirtschaftskontakte, so hat er’s kommen sehen. Während in Moskau die Gromykos und Romanows auf ihr ideologisches Altenteil gesetzt werden, bleiben in Bonn Geißler, Strauß und Dregger obenauf. Nein, der Wind der Veränderung weht dieser Bundesregierung nicht ins Gesicht – er geht derzeit über ihre Ostpolitik hinweg. C. S.-H.

 
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