Zankapfel
Das ist der Nahe Osten: Um die Rückgabe des großen Sinai rangen Israeli und Ägypter länger als ein Jahr. Dabei kam immerhin der erste Frieden in dieser Region zustande. Beinahe ebenso lange liegen sich dieselben Kontrahenten nun schon wegen eines Quadratkilometers Wüstensand um den Hotelkomplex Taba am Golf von Eilat in den Haaren. Zuletzt waren es immer wieder die Likud-Genossen um den Außenminister Schamir, die einen Kompromiß torpedierten, wie ihn Ministerpräsident Peres von der Arbeiterpartei anstrebte.
Nun hatte Peres gedroht, die Koalition der feindlichen Brüder platzen zu lassen, sollte sich Schamir nicht endlicn dem Gebot der Stunde beugen. Der tat es dann auch, behielt aber gleichwohl Oberwasser. Acht Monate soll mit Kairo über eine gütliche Regelung des Streitfalls verhandelt, erst dann ein Schiedsrichter eingesetzt werden. In acht Monaten aber wird, geht in Jerusalem alles mit rechten Dingen zu, nach der Bündnisabsprache Schamir das Amt des Premiers übernehmen.
Peres hofft, bis dahin selbst gegenüber Jordanien soviel Boden gutgemacht zu haben, daß er vorzeitig Neuwahlen wagen und gewinnen kann. Typisch Vorderer Orient: Die Außenpolitik wird oft vom innenpolitischen Kalkül bestimmt. Frieden ist auch vom Kalender abhängig. So einfach ist das – und so kompliziert der Nahe Osten.
D. St.






