ZEIT: Herr Susset, neuerdings fordert auch die Landwirtschaft bis hin zum Bauernverband den Abbau der Agrarüberschüsse. Aber sobald es ans Eingemachte geht, sperren sich die Betroffenen. Handelt es sich da nur um Sonntagsreden?

Susset: Der Abbau von Agrarüberschüssen ist nicht mit einer Maßnahme zu schaffen, auf die sich alle einigen. Eine Vielzahl von Maßnahmen ist notwendig.

ZEIT: Aber Sie sind auch der Meinung, daß es absurd ist, erst Überschüsse zu produzieren und dann Lagerung und Verwertung teuer zu finanzieren?

Susset: Es ist zumindest absurd geworden, seitdem man trotz billigster Preise auf den Weltmärkten keine Chancen mehr hat, diese Überschüsse loszuwerden. Ich wüßte niemanden, der ernst genommen werden will und nicht einsieht, daß der Abbau der Überschüsse die wichtigste agrarpolitische Aufgabe der Zukunft ist.

ZEIT: Der Bauernverband hat jetzt als Methode für den Abbau einen Beimischungszwang von Getreide zu Futtermitteln gefordert. Widerspricht das nicht jeder marktwirtschaftlichen Vorstellung?

Susset: Das Wort vom Zwang macht vielleicht stutzig. Ich bin der Meinung, daß die Landwirte, wenn sie schon Getreideüberschüsse produzieren, das besser in ihrem Tierfutter verwenden. Man kann etwa dem Schweinefutter ohne weiteres 60 bis 70 Prozent Getreide beimischen. Das sollte zumindest als Selbsthilfemaßnahme der Landwirtschaft zur Beseitigung ihrer Überproduktion praktiziert werden.

ZEIT: Ist das nicht eine Ermunterung zur Produktion immer weiterer Überschüsse?