Flrüher gab’s dasselbe in Grün. So einfach ist das jedoch schon lange nicht mehr: Was so ein Laden für gehobene Ansprüche ist, der hebt auch die Sprache an: „Ein braunes Sakko?“ – „Leider kann ich Ihnen im Braunbereich gar nichts zeigen.“ Und was dem Herrenausstatter teuer, das ist den Politikern billig: „Damit war der gesamte Bereich der militärischen Landesverteidigung politisch und rechtlich dem Verantwortungsbereich der Regierung überwiesen“, faßt der Präsident des Deutschen Bundestages zusammen und steckt die Bereiche in die Bereiche wie die Puppe in die Puppe.

Gut verpackt steckt die Verantwortung zwischen den Bereichen. Dort kann sie zum „Problembereich“ werden, wie Staatssekretär Friedrich Voss formuliert, oder wie Bundesminister Wolfgang Schäuble zur Unterstützung des Bundesnachrichtendienstes durch Gelder aus der Wirtschaft erklärt: „Gerade in diesem besonders sensiblen Bereich muß jede Bundesregierung einen breiten politischen Konsens anstreben.“

Derartig in Bereiche zerlegt zeigt sich die Wirklichkeit in einer neuen Ordentlichkeit: Investitionsgüterbereich und Dienstleistungsbereich haben längst Eingang in die Sprache wirtschaftsbürokratischer Verordnungen gefunden, der Geltungsbereich ist ein Amtsstubenklassiker, der durch die Diskussion um das Streikrecht neu aufgelegt worden ist, und die Aufteilung in Arbeits- und Freizeitbereich ist längst Bestandteil unseres Lebens, schlechter gesagt: aller Lebensbereiche. Nun aber gar noch der Braunbereich?

Büchner hätte sein Lustspiel „Leonce und Lena“ umschreiben müssen: „Die Kategorien sind in der schändlichsten Verwirrung: es sind zwei Knöpfe zuviel zugeknöpft, ... mein ganzes System ist ruiniert“, schimpft König Peter von Popo beim Ankleiden, denn der Mann hatte System – wie die heutigen Minister und ihre Ausstatter: Ob die Knöpfe falsch geknöpft, ob Jacke, ob Hose, ob Verantwortung zu tragen ist oder eine neue Farbe – Hauptsache, die Bereiche geraten nicht in die schändlichste Verwirrung. Frank Busch