Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird zur Zeit verhandelt. Eine Vereinbarung ist möglich. Ein Umweltschutzabkommen, über das wir gegenwärtig mit der Regierung der BRD sprechen, kann einen effektiven Beitrag zur Umweltgestaltung und zum Umweltschutz sowie zur rationellen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen in beiden Staaten leisten. Dazu gehört zweifellos auch der Austausch von Erfahrungen und technischen Lösungen bei der Reinhaltung der Luft und der Gewässer sowie bei der Erhaltung und dem Schutz unserer Wälder, um nur einige Aspekte zu nennen.

ZEIT: Uns interessiert neben der allgemeinen Zusammenarbeit vor allem die Zusammenarbeit bei der Säuberung von Werra und Weser, aber auch bei der Klärung der Elbe. Gibt es da Vorhaben?

Honecker: Über Werra und Weser gibt es bereits Verhandlungen, und wir können unterstellen, daß diese Verhandlungen zum Abschluß geführt werden können, ziemlich unabhängig von der Tatsache, ob man sich nun über die Feststellung der Elb-Grenze einigen kann. Auch über die Reinhaltung der Elbe befindet man sich im Kontakt. Selbstverständlich wäre es aber sehr wichtig, die Feststellung der Grenze in diesem Elbabschnitt vorzunehmen. Das würde vieles erleichtern.

ZEIT: Ist das Problem des Umweltschutzes für Ihre Bürger genauso drängend wie für die Bürger der Bundesrepublik?

Honecker: Für unsere Bürger ist das genauso drängend. Wir sind auf dem Gebiet des Umweltschutzes auch schon seit langem tätig. Wir haben spezielle Maßnahmen zur Schadstoffbeseitigung festgelegt, und wir sind generell bestrebt, in Übereinstimmung mit unserer Bevölkerung dieses Problem stärker in die Hand zu bekommen.

Den Begriff „sterbende Wälder“ können wir bei uns allerdings nicht prägen. Wir haben – ich habe mir diese Woche noch einmal eine Karte unseres Umweltministers geben lassen – große Schädigungen des Waldes im Fichtelgebirge und in dem ganzen Raum zur ČSSR hin. Es gibt Vereinbarungen zwischen der DDR und der ČSSR, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Wälder wiederaufgeforstet werden können, daß dort auch wieder gesunde Bäume wachsen. Ansonsten können wir jedoch sagen: Unsere Wälder sind gesund. Auch mit dem „sauren Regen“ ist es bei uns nicht so. Ich hatte mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme eine lange Fahrt bis Stralsund. Das ging von Wald zu Wald, und er fragte mich: „Was macht bei Ihnen der saure Regen?“ Darauf sagte ich: „Ich bedaure, Herr Ministerpräsident, mit saurem Regen haben wir keine Erfahrung.“

ZEIT: Wissenschaftler meinen, daß ein Teil der Luftverunreinigung von den Zweitaktern kommt. Wann fährt denn der erste „Trabant“ mit VW-Motor? Dies einmal unabhängig davon, ob der VW-Motor für die Wälder gesünder ist.