Tagsüber ist Tobias ein Kaventskerl an Courage,nur nachts vorm Einschlafen kommt sie ihm gründlich abhanden. Da wuseln ekelige kleine Monster über seine Bettdecke, reißen, kneifen, zwicken und graulen ihn. Haben Glibber-Bäuche und Vampirzähne, Rüsselnasen, Froschfüße, dünne Echsenschwänze und rosarote Schweinehaut. Es nützt nichts, daß Tobias seine scheußlichsten Fratzen schneidet: Die Biester keifen, triezen und drangsalieren ihn. So lange, bis er gräßlich schreit. Dann stürzt der Vater ins Kinderzimmer und fragt besorgt, was los ist. „Die Kobolde sind wieder da“, plärrt Tobias.

Es hilft nichts, daß Vater Mausefallen aufstellt und Tobias aus dem Bett eine Art Festung macht. Die fiesen kleinen Kerle mit den Satans-Visagen belagern ihn pünktlich mit der Dunkelheit. Die beiden Autoren –

Ingrid und Dieter Schubert: „Sieben freche Nachtgespenster“; Verlag Artemis, Zürich und München; 26 S., 19,80 DM

haben das uralte Thema kindlicher Ängste und wie man die Teufel am Schwanz packt, meisterhaft gelöst. Held der Gespenster-Episode ist die resolute Oma von Tobias. Sie hat einen genialen Einfall, der hier nicht preisgegeben wird.

„Ik kan niet slapen“ ist ein holländisches Bilderbuch, dessen Illustrationen in köstlicher Manier vereinen, was Bilder für Kinder unwiderstehlich macht: Situationskomik, Realismus und Zärtlichkeit.

Keine psychologisch-pädagogische Tünche, sondern Fingerspitzengefühl und eine unverschämt verschwenderische Portion Witz. Gott sei Dank: Die Großmutter ist kein Denkmal, kein Würdebold, sondern eine warmherzige, erzgescheite dicke kleine Frau mit Grips und Phantasie.

Ein überraschend malerischer Umgang übrigens mit Buntstifttechnik, die alle Facetten von Stimmungen trifft: weich und grell, zart und derb in Farbe und Strich. Je länger ich blättere, desto vernarrter bin ich in die Illustrationen und wünsche mir ganz dringlich ein neues Kinderbuch von diesen beiden klugen und witzigen Bilderbuchmachern.

Ute Blaich