Erfolgreiches Modell Itzehoe: Buslinien fahren weniger rote Zahlen ein als anderswo

Werner Mahn, Geschäftsführer der privatwirtschaftlich geführten Itzehoer Verkehrsbetriebe, fühlte sich in seiner Unternehmerehre gekränkt. Seine Verluste stiegen von Jahr zu Jahr und selbst bei einem vollen Verlustausgleich durch die Kommune war er nicht mehr bereit, den Busverkehr im Landkreis Steinburg und in der Kreisstadt Itzehoe in Schleswig-Holstein fortzuführen.

Die Itzehoer Verkehrsbetriebe sind kein Einzelfall. Seit geraumer Zeit steckt der öffentliche Personennahverkehr – egal ob nun kommunal oder privatwirtschaftlich betrieben – in einer schweren finanziellen Krise. Sinkende Geburten- und Schülerzahlen führen ebenso wie die zunehmende Motorisierung zu einem kontinuierlich sinkenden Fahrgastaufkommen. Dennoch besteht nicht die Alternative, den Nahverkehr einfach einzustellen, den sozial schwachen Bevölkerungsgruppen, Kindern, Jugendlichen und Alten müssen von den Kommunen Fahrgelegenheiten geboten werden.

Auch Mahn war sich darüber im klaren, daß auf absehbare Zeit in diesem Gewerbe keine Gewinne zu erzielen sind. Da er bei einem vollen Verlustausgleich auch noch den Status des freien Unternehmen verloren hätte, legte er 1983, sechs Jahre vor dem Ende der Laufzeit, den Politikern des Landkreises die Konzession auf den Tisch. Da die mangelnden Aussichten auf Gewinn auch andere Busunternehmer abschreckten, mußte ein Ausweg aus der Notlage gefunden werden. Landrat Burkhart Rocke hatte die zündende Idee: Die Konzession für den Busverkehr im Landkreis Steinburg wurde öffentlich ausgeschrieben. Wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit vorausgesetzt, sollte derjenige Unternehmer, der den niedrigsten Zuschuß verlangte, das Verkehrsnetz betreiben dürfen. Um ein Mindestmaß an Wettbewerb zu sichern, wird die Konzession 1989 erneut ausgeschrieben. Der bei Vertragsabschluß vereinbarte Basiszuschuß wird jedes Jahr an die Geldentwertung und steigende Lohnkosten angepaßt.

Trotz kommunaler Zuwendungen sollten auf diese Weise sowohl die unternehmerische Initiative als auch der freie Wettbewerb erhalten und die Einrichtung eines weiteren verlustträchtigen Kommunalbetriebes vermieden werden. An der Ausschreibung Mitte 1984 beteiligten sich fünf im Raum Itzehoe ansässige Busunternehmen. Damit wurden Landrat Rockes Erwartungen erfüllt, „daß sich das unternehmerische Potential des Landkreises herausgefordert fühlen wird“. Die Unternehmer forderten kommunale Zuschüsse bis zu zwanzig Prozent der erwarteten Einnahmen.

Nach der genauen Überprüfung von Kalkulation und Leistungsfähigkeit der Firmen wurde dem Busunternehmer Horst Voss der Zuschlag erteilt. Er verlangte mit einem Zuschuß von rund sieben Prozent der prognostizierten Umsätze die geringsten Subventionen. Dafür mußte er sich verpflichten, den Bus- und Personalbestand vom bisherigen Betreiber zu übernehmen.

Den entscheidenden Vorteil bei der Endauswahl konnte sich Voss durch die Flexibilität seines mittelgroßen Unternehmens sichern. In der hauseigenen Werkstatt krempelt der Chef auch schon mal selbst die Ärmel auf, wenn eilige Reparaturen nötig sind. Rückblickend auf das erste Jahr meint er, daß er mit der Regelung des festen Zuschusses „bisher recht gut gefahren“ sei.