Zwei Möglichkeiten, heute zu malen: Der Zweifler und der Malerfürst
Gerhard Richter in Düsseldorf, Markus Lüpertz in München
Von Hans-Joachim Müller
Kleiner Dialog über die Größe, über die Malerei und über große Malerei. Gerhard Richter (gestreifter Anzug, den Mantel über dem Arm, freundlich lächelnd, leise): „Wenn jemand Maler werden will, soll er sich erst einmal überlegen, ob er nicht zu etwas anderem besser geeignet ist: Studienrat, Minister, Professor, Handwerker, Arbeiter, denn malen können nur wahrhaft große Menschen!“
Markus Lüpertz (auf dem Boden sitzend, die Beine ausgestreckt, Puma-Turnschuhe, die Hände zwischen den Oberschenkeln, wie von weit her blickend): „Nicht die Themen machen groß, sondern die eigene Größe.“
Gerhard Richter (hat sich nicht von der Stelle bewegt, nur der Mantel ist ihm etwas aus der Armbeuge gerutscht): „Viele meiner Bilder sind 150 × 200 Zentimeter groß, viele sind 130 × 140 oder 120, manche sind 160 × 180, manche wesentlich kleiner, ungefähr 40 × 30 oder gar 18 × 24 Zentimeter. 200 × 190 Zentimeter sind meine bisher größten Bilder. Vielleicht male ich nur noch kleine Bilder oder mittlere und einige größere, ich kann das gar nicht genau wissen.“
Markus Lüpertz (jetzt in der Hocke, die Hände locker über den Knien, diverse Fingerringe): „Hütet euch vor meinen Bildern, hängt sie ab, dreht sie mit dem Gesicht zur Wand, bedaufert die Wand ...“
Gerhard Richter (beiseite): „Eines Tages werden wir keine Bilder mehr brauchen, wir werden einfach glücklich sein.“





