Gruseln

Nicht aus der Kälte kam der Killer. Eher aus einem Klima überhitzter, mißbrauchter Phantasien verschlug es den Türken Ali Agca 1981 auf den Petersplatz, wo er auf den Papst schoß. War er das Werkzeug eines Komplotts, von Türken und Bulgaren gesteuert? Wer nicht – wie mancher westliche Buchautor – Dilettantismus für professionelle Raffinesse hält und nicht von Anfang an wußte, daß hinter dem Attentat auf den Heiligen Vater der Große Bruder stehen mußte, konnte voraussehen, daß der Prozeß mit Freisprüchen enden würde. Nicht, daß es keine Indizien gegen die Angeklagten gegeben hätte – sie reichten nur nicht aus. Sie verloren sich im Dschungel balkanisch-levantinischer Krimiszenerie.

Seriöse Justiz ist da überfordert. Was nützt es ihr, wenn sich nicht mehr erweist, als daß der Bulgare Antonow und der Attentäter einander gekannt haben müssen? Wie soll sie klären, warum der Türke Celenk, eine Schlüsselfigur, von den Bulgaren in die Türkei abgeschoben wurde (um dort schnell zu sterben), wenn noch jetzt ein bulgarischer Staatsanwalt im italienischen Fernsehen unwidersprochen versichert, der Antrag aus Rom, Celenk auszuliefern, sei nie in Sofia angekommen? Wie mochten und konnten die Richter da durchs Dickicht finden – wo nicht zuletzt „höhere“ Interessen vom Pfade der Wahrheitsfindung ablenkten? So lehrt der Prozeß von Rom nur eines: das Gruseln. Hj. St.

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