Über Kontinente, bis an die Pforten Indiens, nach Spanien, bis zur Krim trugen die Hellenen ihre Sprache. Homer hat auf (alt-) griechisch den herumirrenden Odysseus besungen, und wer früher auf sich hielt, konnte ein paar Strophen nachsingen. Humanisten, wie sie sich nannten, vertraut auch mit den Künsten und Idealen der Antike. Dann kam der Richtungsstreit, die alten Sprachen wurden als Relikt bornierter Elitebildung verteufelt. Weniger Griechisch war nun mehr Demokratie. Die Gewerkschaften zogen an dem einen, die Philologen an dem anderen Strang – die einen wollten es weg und die anderen ausschließlich (für die Gymnasien) haben. Statt auch die Bildung der Gesamtschüler, wenn sie es wollten, um das Alpha und Omega alter Texte zu bereichern. 700 000 Lateiner, aber nur 16 000 Griechisch-Schüler haben wir noch. Bald werden sie ganz verschwunden sein, denn immer mehr pensionsreife Altphilologen verlassen die Schulen und mit ihnen Wissen und Vermittlungskünste. Junge Griechischpädagogen, soweit es sie gibt, müssen sich wie alle Nachwuchslehrer nach anderen Aufgaben umsehen, weil der Staat sie nicht bezahlen will. Der Lauf der Dinge: Wir lassen ganze Techniken verschwinden, um sie uns unter Mühen wieder anzueignen, wir üben uns angestrengt in längst vergessenen Fertigkeiten, und wir lassen eine Kultur sterben, um uns an ihren Segnungen irgendwann wieder neu zu berauschen. D. H.