Im Oktober erfahren die Urlauber vielleicht mehr darüber, ob das Baden in europäischen Flüssen, Seen und Küstengewässern noch ein Vergnügen ist.

Im Oktober dieses Jahres werden europäische Experten in Frankreich zusammenkommen, um auf einer Konferenz über die Umsetzung der vor gut zehn Jahren vom EG-Rat verabschiedeten „Richtlinien über die Qualität der Badegewässer“ zu beraten. Leicht werden sie es dabei sicher nicht haben, denn in der nationalen Umsetzung dieser Richtlinien gab und gibt es Probleme. So berichtete die ZEIT in ihrer Ausgabe 24/1985, wie die entsprechende Zusammenstellung von Untersuchungsergebnissen verschleppt wurde, bis Resultate der Badegewässertests dann in den Schubladen verschwanden, weil sie unaktuell geworden waren.

Pascale Kromarek vom Institut für europäischen Umweltschutz, das die Umsetzungen der Richtlinien im Auftrag der EG momentan überprüft und die Konferenz vorbereitet, nennt diesen Zustand „schlichtweg rechtswidrig“. Denn die 1975 in Kraft getretenen Richtlinien sehen nicht nur eine ständige Überprüfung aller öffentlichen Badegewässer im gesamten europäischen Raum vor, sondern auch die Veröffentlichung dieser Testergebnisse.

Lediglich die Franzosen haben sich diesbezüglich bisher wie Musterknaben verhalten. Über 2000 Flüsse, Seen und Küstengewässer haben sie untersucht und als EGgeprüfte Strandbäder deklariert. In jeder französischen Gemeindeverwaltung hängen die den Ort betreffenden Testergebnisse aus. Der Urlauber kann sich dort informieren.

Auch unsere Bundesbehörden messen fleißig weiter, wie Ministerialrat Max Bauer vom zuständigen Bundesinnenministerium bestätigt. Die „furchtbar komplizierten, auf Hunderten von Seiten“ gesammelten Meßwerte will er allerdings auch weiterhin nicht veröffentlicht sehen, zumal die jüngsten aus dem Jahr 1982 stammen. Zukünftig, so Bauer, werde sich das Innenministerium in Brüssel dafür einsetzen, daß schneller gearbeitet und dann auch veröffentlicht werde. Das gleiche war vor knapp einem Jahr schon einmal zu hören gewesen.

Ein Blick in Pascale Kromareks Bericht an die EG zeigt immerhin, daß unsere Behörden im gesamten Bundesgebiet lediglich 95 Gewässer als nach EG-Richtlinien zum Baden geeignet erklärt haben. Darunter sind nur vier Flüsse: zwei in Berlin und zwei Altarme des Rheins in Rheinland-Pfalz. Daß die Bundesbürger auch in nicht EG-qualifiziertem Wasser planschen, sieht jeder im Sommer. „An solchen Gewässern“, meint Pascale Kromarek, „müßten zumindest Hinweisschilder auf die fehlende EG-Überprüfung und damit auf eine eventuelle Gesundheitsgefährdung hinweisen.“ Warum die Behörden inzwischen mit der europäischen Unbedenklichkeitsklausel sehr vorsichtig umgehen, ist klar. Wer in einem deklarierten, aber trotzdem verschmutzten Gewässer schwimmt und dabei krank wird, kann klagen. In Großbritannien laufen solche Prozesse bereits.

Noch ein weiteres Problem hat das Umweltschutz-Institut ausgemacht. Europaweit geben die lokalen Behörden nicht an, wo sie ganz genau ihre Wasserqualitäten gemessen haben.

Aber nicht nur die EG hat Probleme mit der Wasserqualität. Vor kurzem berichtete die sowjetische Regierungszeitung Iswestija, wenn weiterhin ungeklärte Abwässer eingeleitet würden, verkomme das Schwarze Meer schon bald zur Kloake. Willi Bremkes