Bayern will seine Bierfabrik wieder wettbewerbsfähig machen

Der Mythos des Hofbräuhauses ist ungebrochen, die wirtschaftliche Lage indes desolat. Der traditionsreiche, vielbesungene Bierausschank am Münchner „Platzl“ mit seiner urigen Schwemme ist dabei nur der vorgeschobene Posten der staatlichen Bierfabrik in der Inneren Wiener Straße, die seit langem das triste Schlußlicht unter den sechs Großbauereien der Isar-Metropole bildet.

Um nach vielen Jahren des unentschlossenen Zögerns und Abwartens endlich einen Wandel herbeizuführen, will der bayerische Staat als Eigentümer nicht weniger als 80 Millionen Mark ausgeben und für das Hofbräuhaus mit seinem derzeit nur rund 35 Millionen Mark Umsatz in Riem draußen vor der Stadt eine komplette neue Brauerei bauen.

Zugleich wird der staatliche Regiebetrieb, wie der Ministerrat in der letzten Woche beschloß, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die sich künftig genauso wie die private Konkurrenz am Markt bewähren soll. Diese aber hält das Vorhaben, wie der Chef einer der großen Münchner Brauereien ohne jede Beschönigung erklärt, schlicht für „absoluten Wahnsinn“.

„Wir sind mit der festen Absicht angetreten, aus einem verstaubten Randbetrieb eine wirtschaftlich vernünftige und gesunde Sache zu machen“, meint hingegen Otto Majewski, Ministerialdirigent im bayerischen Finanzministerium und dort für die Staatsbeteiligungen zuständig. „Dazu müssen wir das Hofbräuhaus aus seinen politischen Abhängigkeiten lösen.“ Der künftige Vorstand solle „künftig eigenverantwortlich agieren“. Bisher durfte das Hofbräuhaus als Staatsbetrieb zum Beispiel so gut wie keine Werbung treiben. Es mußte sich im Konkurrenzkampf mit den Aktiengesellschaften stets zurückhalten.

Die vom Staat angeheuerten Direktoren, die kaum einen Bewegungsspielraum hatten, waren meist schon nach wenigen Jahren frustriert, die Asse aus der Branche gingen ohnedies nicht zu dem Staatsbetrieb, sondern zogen besser dotierte Vorstandssitze in den Brauaktiengesellschaften vor.

So wundert es nicht, daß der Bierausstoß seit 25 Jahren stagniert – die Kapazität von 200 000 Hektolitern war nie voll ausgelastet. Die anderen Brauereien in der bayerischen Hauptstadt konnten ihren Ausstoß derweil sukzessive erhöhen.