Er umschleicht mich auf leisen Sohlen. Und ich ahne, daß sein Blick hinter meinem Rücken jenen Ausdruck von Entsetzen angenommen hat, der einen Verkäufer zu befallen pflegt, wenn von ihm Unmögliches verlangt wird.

Dabei wollte ich eigentlich nur eine auf meine Figur zugeschnittene Hose.

Natürlich weiß ich, daß ich zwei verschieden lange Beine habe. „Das kommt vom Fußball“, hat mir unser Vereinsarzt verraten. „Du hättest früher aufhören müssen.“ – Nun, dieser Rat kommt zu spät, und so steh’ ich also jedesmal, wenn ich mir eine Hose kaufe, mit dem Makel eines zwei Zentimeter kürzeren rechten Beines vor dem Verkäufer.

Ich habe es mittlerweile auch aufgegeben, humorvoll zu erklären, daß mein rechtes Bein gar nicht kürzer, sondern nur o-beiniger sei als das linke. Zwei Zentimeter sind zwei Zentimeter. Und die bekommt man in ein Hosenbein von der Stange durch noch so schöne Erklärungen nicht wieder ’rein. Der Schneider muß also her.

Er kommt prompt. Man erkennt ihn daran, daß er ein Zentimetermaß in der Hand hält.

„Der Herr hier möchte...“, sagt der Verkäufer vorwurfsvoll; und nun umschleicht mich der Schneider auf leisen Sohlen. Hinter meinem Rücken, ich ahne es, braut sich Fürchterliches zusammen. Sie verständigen sich stumm, und plötzlich fühle ich das Zentimeterband um meine Taille geschlungen.

Es durchzuckt mich der Gedanke, sofort den Bauch einzuziehen – wo ich doch schon mit dem Handikapl zwei verschieden langer Beine belastet bin. Aber die Vernunft siegt. Ich belasse es beim Bauch, um es später bequem zu haben. Auch wenn ich oben vielleicht die zwei Zentimeter hätte gutmachen können, die ich unten, am rechten Hosenbein, grundsätzlich verliere.