Von Hermann Vinke

Einen „Mann für alle Jahreszeiten“ nannte ihn die Wochenzeitung Far Eastern Economic Revue vor fünf Jahren. Ob Krieg oder Frieden – Hirohito, der Kaiser von Japan, diente seinem Land stets mit der gleichen Ergebenheit. Und er tut es immer noch, jetzt, wo er 85 Jahre alt wurde und zugleich seine 60jährige Regentschaft über Nippon feiert.

Hirohito ist der am längsten dienende Monarch der japanischen Geschichte. Er ist der einzige lebende Kaiser der Welt. Demnächst wird er wahrscheinlich noch einen weiteren Rekord brechen: Nur die britische Königin Victoria amtierte länger als der Tenno.

Hirohito, was „freundlicher Mensch“ bedeutet, wirkt schon seit langem gebrechlich, aber laut Angaben des Hofamtes geht es ihm gesundheitlich gut. Der Tenno, seit Kriegsende auf Geheiß der Amerikaner nur noch das „Symbol der Einheit der Nation“, empfängt nach wie vor Staatsgäste, er eröffnet Parlamentssitzungen und vollzieht die Riten in den wichtigen Shinto-Schreinen.

Nicht nur zu Neujahr und zu seinem Geburtstag am 29. April zeigt er sich dem Volk. Auch wenn er alljährlich mit zittrigen Händen ein paar Büschel Reis pflanzt und diese Monate später erntet, dürfen einige ausgesuchte Photographen und Kameraleute zugegen sein. Ansonsten ist die kaiserliche Familie für die Öffentlichkeit tabu.

Die Japaner müssen ohne Klatschgeschichten aus dem Kaiserpalast auskommen. Ihre Medien, vor allem die kommerziellen Fernsehstationen, die rücksichtslos die Privatsphäre von Bürgern ausbeuten, machen vor den Toren des Tennopalastes Halt. Verstößt ein Reporter gegen diese Spielregel, ist es um seine berufliche Zukunft schlecht bestellt.

Die wenigen Interviews, die Hirohito in den vergangenen Jahren gab, verdienen diesen Namen nicht. Sie verliefen wie zeremonielle Begegnungen, bei denen der Tenno sich auf Allgemeinplätze beschränkte. In der strikten Atmosphäre bei Hofe verbieten sich unbotmäßige Fragen wie von selbst.