Nach Jahren der Stagnation wird in der Bundesrepublik wieder mehr Geld für die Forschung ausgegeben

Adalbert Blüm, Diplomvolkswirt im Battelle-Institut e. V. – Forschung, Entwicklung, Innovation:

ZEIT: Sie haben in Ihrer Analyse der Forschungsanstrengungen in der Bundesrepublik herausgefunden, daß die Forschung wieder auf Wachstum geschaltet hat. Ist das eine Wende und welche Erklärung gibt es dafür?

Blüm: Battelle arbeitet schon seit Jahren auf dem Gebiet der Analyse und Prognose von Forschungsausgaben. Die soeben vorgelegte Studie für das Jahr 1986 hat in der Tat den Grundtenor, daß deutsche Forschung weiter expandiert. Nach mehreren Jahren der Stagnation oder nur mäßigen Expansion des deutschen Forschungspotentials gehen wir davon aus, daß die Lücke im Forschungsbudget, die in den Jahren 1980 bis 1983 gegenüber den USA und Japan bestanden hat, wieder geschlossen wird.

Als Gründe gibt es mehrere Faktoren. Zum einen ist weltweit ein technologischer Wettbewerb im Gang, der zwischen den Industriefirmen ausgetragen wird. Die deutschen Unternehmen haben darauf in jüngster Zeit verstärkt reagiert. Zum anderen haben die Regierungen in der Bundesrepublik, USA und Japan in Konsens mit ihrer Industrie großangelegte Forschungsprogramme aufgelegt.

ZEIT: Früher sprach man oft von Technologiefeindlichkeit. Ist sie abgebaut worden und schlägt sich das auch in den Wachstumstendenzen nieder?

Blüm: Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit gab es in der Gesellschaft eine erhebliche Technik-Reserviertheit. Natürlich haben technische Neuerungen auch immer zwei Seiten. Es gibt positive Beschäftigungseffekte, es gibt eben auch negative. Aber das sind Strukturwandelprozesse, denen man sich nicht entziehen kann, wenn man international dabei sein will. Wir haben schon vor vielen Jahren diese Fragen untersucht und Mitte der siebziger Jahre auf die prinzipiellen Probleme wie etwa die zu erwartenden technologischen Sprünge in den achtziger Jahren aufmerksam gemacht, zum Beispiel in einer großen Untersuchung über Baden-Württemberg. Die Landesregierung ist damals voll auf diese Erkenntnis aufgesprungen, und Ministerpräsident Späth hat sich als einer dieser Technikführer stark gemacht, wie man sehen kann, auch mit Erfolg.