Auch das noch, zu allem Überdruß: Als hätten die Österreicher, gerade auch die österreichischen Juden, nicht schon genug Ärger mit dem unseligen Fall Kurt Waldheim – da muß auch noch der deutsche Bundeskanzler, schlicht als „Mann“, kommen und zeigen, worum es geht: Waldheim, natürlich, ist ein „großartiger Patriot“, den er, könnte er, sofort wählen würde. Kohl hätten, ebenfalls natürlich, die „Vorwürfe und Bösartigkeiten“ seinem „alten, persönlichen Freund“ gegenüber betroffen gemacht. Und dann brachte Kohl die Sache so richtig auf seinen Begriff: Die

„Arroganz der Spätgeborenen“ habe sich da wider den Präsidentschaftsbewerber ausgetobt.

Wie hatte es doch vorher geklungen, da freilich anläßlich der Reise des deutschen Bundeskanzlers nach Israel: Die „Gnade der Spätgeborenen“ hatte Kohl damals beschworen. Heute so und morgen so – beides deplaziert und unbedacht.

Die Österreicher mögen ihren Waldheim bekommen, trotz allem. Dem Kandidaten konnte (und mußte) der Kanzler nicht helfen. Sich und der deutschen Politik hat er geschadet. Wir haben uns, aus Kanzlermund, wohl noch auf einiges gefaßt zu machen – und es in gebotener Fassung zu ertragen. D. St.